Focus hält den Diesel-Skandal für Panikmache

Was haltet ihr von diesem Artikel und der darin enthaltenen Argumentation?

focus.de/finanzen/karriere/b … 78545.html

Mein Gefühl sagt mir zwar, dass der Artikel hanebüchener Unsinn ist, aber ich würde hier gerne Argumente sammeln, die das tatsächlich nachhaltig belegen.

Wenn man den Experten googelt, sind die Meinungen aber sehr gespalten zu dem Mann.

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/gekaufte-expertise-100.html

Nehmen wir die Fakten aus dem Artikel:
Maximal 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Freien.
Maximal 950 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft in geschlossenen Räumen.

Stimmen die beiden Grenzwerte ?
Wie lässt sich der große Unterschied erklären ?

Die Antwort könnte im Artikel stehen:

Die Grenzwerte am Arbeitsplatz sind vielleicht schlicht viel zu hoch angesetzt. Undenkbar ist es nicht, dass auch hier Lobbyisten und sog. Gutachter/Experten die Interessen der Industrie zulasten der Arbeitnehmer durchgesetzt haben.

Noch schlimmer als die Automobilindustrie ist in meinen Augen die Pharmaindustrie. Die ist auch noch irgendwann dran. Captain Planet wird jedenfalls nicht arbeitslos…

https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-900.pdf;jsessionid=902F2E969D92ED3EBB44A3A16F15EAE7.s2t2?__blob=publicationFile&v=3
Auf Seite 42 steht Stickstoffdioxid
Arbeitsplatzgrenzwert
0,95 mg/m3

Dann gibt es noch eine Internationale Datenbank:
http://limitvalue.ifa.dguv.de/
Da nach CAS 10102-44-0 suchen.

Dieser Spiegel-Artikel von 2006 zitiert verschiedene Studien, die den aktuellen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter sogar für viel zu hoch halten:
spiegel.de/wissenschaft/mens … 18600.html

Deshalb würde ich gerne versuchen rauszufinden, welcher von beiden Artikeln eher der Wahrheit entspricht.

Mich würde auch interessieren wo die 950 Mikrogramm Grenzwert am Arbeitsplatz herkommen, denn diese Übersicht (Grenzwerteliste 2015 für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) widerlegt das eigentlich (Seiten 129 und 130):
publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/rep0415.pdf

Dort gelten die bekannten Werte von 40 Mikrogramm Jahresmittelwert und 200 Mikrogramm, die 18 Mal pro Jahr maximal überschritten werden dürfen

Von der Eu Richtlinie
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=uriserv:OJ.L_.2017.027.01.0115.01.DEU

Um das einordnen zu können, muss man auch wissen, wie hoch der Anteil der Verbrennerwerbung in diesem Focus-Bildchen-Heft ist.

Bei der aktuellen Ausgabe des Spiegel (30/2017) jedenfalls, wo bisher die ca. 15 Werbeseiten des Magazins meist aus 10-12 Seiten Autowerbung bestanden haben, gibt es - oh Wunder - nur noch eine einzige entsprechende Anzeigenseite (Ford).

Die beiden Grenzwerte stimmen also.

Vielen Dank an Alle für’s recherchieren.

Dann kommt die Frage:
Warum werden dann in Arbeitsräumen nicht mehr Menschen krank ?

Da fallen mir als Laie nur zwei Gründe ein:

  • Die Stickoxidkonzentration in Räumen ist üblicherweise deutlich unter 40 Mikrogramm/m³ und der Grenzwert von 950 Mikrogramm/m³ wird nur extrem selten erreicht.

oder

  • Im Freien kommen noch andere Bedingungen hinzu, die die Wirkung des Stickoxids verstärken.

Was sagen die Experten ?

Prinzipiell denke ich auch dass Stickoxide nicht das schlimmste auf der Welt sind sondern ich sehe eher den Feinstaub als größtes Thema an. Was natürlich übel ist sind SONDER Grenzwerte an Arbeitsstätten und diese will man nun für jedermann an der Straße gelten lassen? Das ist echt übel!

Der Wert vom 950 Mikrogramm ist wirklich seltsam zu erklären, vorallem weil das Bundesumweltamt schon 1998 einen Richtwert von 60 Mikrogramm (Mittel/Woche) und max 350 Mikrogramm (Mittel/30 Minuten)
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/Stickstoffdioxid.pdf

Bei Wikipedia findet man übrigens folgendens:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stickstoffdioxid

Jaja, wenn es nicht ins Weltbild passt und die Fakten nicht zu widerlegen sind, dann wird halt gleich einmal ganz locker der Verdacht nach einem gekauften Artikel in die Runde geworfen.

Gruss Reinileini

Ich vermute, dass der Grenzwert an Arbeitsplätzen so hoch ist, weil er sonst kaum praktikabel einhaltbar ist.
Ich denke da an Orte wo dieselbetriebene Fahrzeuge in Gebäude rein fahren. z.B. jedes Parkhaus

Der Satz
„Im Gegensatz hierzu wird Grenzwert am Arbeitsplatz ein Wert vom 950µg/m³ als unbedenklich erachtet.“
in der Wikipedia ist erst am 20. Juli hinzugefügt worden :open_mouth:

Warum haben die am 31. Januar 2017 die Grenzwerte für Stickstoffdioxid an Arbeitsstätten so drastisch erhöht?
Dürfte sonst beim TÜV, an Tankstellen oder bei der Autobahnmeisterei niemand mehr arbeiten?

Hi

Das entscheidende sind für mich doch zwei Dinge:

  1. Stickstoffdioxid ist sehr giftig und wird in geringen Konzentrationen kaum wahrgenommen. Eingeatmetes Stickstoffdioxid löst Kopfschmerzen und Schwindel aus. Höhere Konzentrationen können Atemnot und Lungenödeme auslösen.
    Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m3 über längere Zeit eingeatmet, kommt es zu gesundheitlichen Schäden.
    2. Stickstoffdioxid hat einen stechenden/stickigen Geruch (Wahrnehmungsschwelle von 200 bis 410µg/m3)

Es ist am Einfachsten so. Die Werte werden angepasst, passend je nach Situation und Lobby.

Ist doch auch bei Pestiziden etc., so. Grenzwerte rauf, da ja kein Nachweis da ist, das das Pestizid wirklich böse ist und schon ist alles wieder gut.

Funktioniert einwandfrei.

Jeder der den Thread liest übersieht doch im ersten Augenblick, den Faktor 1000 zwischen Mikrogramm und Milligramm.

Sorry, Nachtschicht.
Da sollte man vielleicht nicht sofort antworten. :wink:

Oh ja. Nachtschicht kenne ich zu genüge.
Man sollte auch nicht immer sofort jemand etwas bösartiges unterstellen wenn man einen Fehler sieht. :blush:
Habe deshalb meinen vorigen Post mal überarbeitet.

Gruß Helmut

Ja, ich habe den Teil sogar komplett gelöscht.

Aber die anderen Aussagen stimmen doch, oder?
Wie kann einerseits 100µg/m3 über längere Zeit eingeatmet, zu gesundheitlichen Schäden führen, andererseits 950µg/m3 noch „normal“ sein?