Danke für Eure Antworten…
Mir geht eben folgendes im Kopf herum:
Im Grundsatz wird das Harnstoff-System dazu verwendet, um eigentlich nur auf dem Rollenprüfstand perfekte Werte zu zaubern. Genau das wird ja der C-Klasse aus dem Artikel auch bescheinigt.
Abseits der künstlichen Umgebung führt unter gewissen Umständen schon das banale Einschalten der Klimaanlage zu einer derart signifikanten Reduzierung der Abgasreinigung, daß die Grenzwerte sehr bedenklich überschritten werden.
Fazit:
Das System wird über weite Teile im Fahrzeug mit herumgefahren und belastet mit seinem Aggregat-Gewicht auch noch die ohnehin schlechte Emissions-Bilanz des Euro 6 Diesel. Das System wird eigentlich nur in der Form eingesetzt, um die Grenzwerte im Testzyklus zu erreichen. Über weite Teile des realen Betriebs ist es sogar wirkungslos - das gilt nahezu für jede BAB Fahrt !
Weiterhin muß man die vollen bilanziellen Emissionskosten des Harnstoffs mit in die CO2 Bilanz des Euro 6 Diesel einrechnen.
Zum Harnstoff:
Quelle: wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Harnstoff)
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Der Harnstoffpreis bewegte sich lange um 100 US-Dollar/Tonne, seit 2003 stieg er jedoch rasant. Aktuell (Juli 2015) liegt er bei 273 USD/t.
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Harnstoff wird zur Reduktion von Stickoxiden im Abgas von Kraftwerken und Verbrennungsmotoren verwendet. In Kraftwerken wird – vornehmlich bei kleineren Anlagen – das SNCR-Verfahren (selektive nichtkatalytische Reduktion) angewandt. Beim sogenannten SCR-Verfahren (Selektive katalytische Reduktion), das in Kraftwerken und in zunehmendem Maß auch in der Fahrzeugtechnik eingesetzt wird, wird Harnstoff oder Ammoniak in den heißen Abgasstrom eingespritzt. Der Harnstoff zersetzt sich zu Ammoniak, das in einem nachgeschalteten Katalysator die Stickoxide reduziert. In der Kraftfahrzeugtechnik wird eine wässrige Lösung mit 32,5 % Harnstoffanteil verwendet, die unter dem Handelsnamen AdBlue bekannt ist. Der Verbrauch an Harnstofflösung beträgt etwa 2 bis 8 % des Treibstoffverbrauchs.
…"
Aus dem Artikel wird auch klar, warum man Harnstoff sparen will - er ist teuer. Persönlich weiß ich das von meinem Nachbarn, der im Aussendienst einen Euro 6 Diesel Passat fährt und sogar die Kanister mitführt, da bei ausbleibenden Harnstoff, das Fahrzeug nicht mehr zu starten ist - die Betriebserlaubnis erlischt dann ja…der letzte Punkt der Betriebserlaubnis führt mich dann noch zu folgenden Gedanken:
Im Grundsatz sind die entspr. Gesetze zur Einhaltung von Abgasvorschriften dazu gedacht, Schaden von Mensch und Natur abzuwenden bzw. die Auswirkung menschlichen Handelns auf beide zu reduzieren oder zu begrenzen.
Regelmäßig kommt es aber zu den im Artikel aufgeführten Auslegungen der Gesetze durch die Hersteller. Ich würde sogar meinen, daß diese mglw. insofern noch nichtmal rechtswidrig handeln. Wie schon korrekt bemerkt, arbeiten die Hersteller auch an den Gesetzestexten über Lobbyismus mit und beschäftigen Heerscharen von hoch bezahlten Anwälten, damit am Ende die Dinge für sie die richtige Wendung nehmen - rücksichtslos und ausschließlich gewinnorientiert - das ist meine Meinung.
Anyway…mich interessiert, wie eine Klage der DUH in Schleswig ausgehen kann. Was wird das Gericht feststellen ? Im besten Fall kann es ja nur so laufen, daß Daimler aktuell Recht bekommt, das Gericht aber den Gesetzgeber dazu auffordert im Sinne des bestehenden Gesetzes die Regulierungen so zu fassen, daß die beabsichtigte Schutzwirkung für Mensch und Natur auch dauerhaft und nachvollziehbar eintritt.
Was meint Ihr ?
