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Braucht die Welt den Tesla? Eine schnelle Kontrovers-E

Nicht komplett „Off Topic“, eher „Stammtisch“… :wink:

Ich wurde eingeladen, im Rahmen der Berliner „Tage der Elektromobilität“ einen kurzen Impulsvortrag zu halten. Das Thema sollte natürlich der Model S von Tesla sein, aber ich konnte nicht widerstehen, dem ganzen einen kontroversen Impuls zu geben. Der selbst gewählte Titel/Teaser lautet daher:

Ich habe natürlich selbst ein paar Gedanken dazu, welche Daseinsberechtigung und welche gesellschaftlich relevante Mission das Model S hat in einer Welt, in der an „Premium-Limousinen“ eigentlich kein Mangel herrscht und wir unseren Mobilitätsbedarf nüchtern betrachtet zu weit über 90% mit Bus und Bahn, Fahrrad und „elektrischem“ Carsharing decken könnten.

Welche steilen, provokantiven Thesen habt Ihr dazu? Gerne kontrovers, es soll ja ein „Impulsvortrag“ werden! :mrgreen:

Ist es nicht so, dass alle Technologien die heute selbstverständlich überall zu finden sind, erstmals in Produkten zu finden waren die sich eh kaum einer leisten konnte, zudem zuerst damit belächelt wurden „braucht man sowieso nicht.“ und nach und nach dann doch einfach aus dem Grund das sie günstiger wurden jeder kauft?

Smartphones ist das beste Beispiel.
Früher wusste ein Otto-Normal Verbraucher selbst wenn er einen Nokia Communicator preislich kaufen konnte, überhaupt nicht was er damit anfangen sollte. Email unterwegs, wenn man keine bekommt? Surfen unterwegs, wofür?
Und heute, hat das jeder, und auch jeder bekommt etliche Emails und natürlich SociaL Media.

Ich denke es geht mit dem Model S sicher nicht darum die Welt zu retten und auch die brutale Beschleunigung braucht man eigentlich nicht. 6 Sekunden 0-100 reicht auch.
Viel mehr ist das Top-Bottom Approach das was das Model S ermöglichen wird.

Beispiel: ABS (und vieles andere, was heute jeder Kleinwagen mitbringt) wurde zuerst in der Mercedes S-Klasse eingeführt.

Die Frage ist ja: Warum?

Weil die Alltagstauglichkeit nachzuweisen notwendig ist auf dem Weg zu einem breiten Einsatz. Und weil das nicht ohne Kofferraum und mit real < 100km Reichweite geht. Und auf Langstrecken nicht ohne schnelles Laden mit 100+ kW. Und all das bezahlt keiner in einem Kleinwagen der zur eigentlichen Zielgruppe gehört, höchstens Kleinwagen als Drittwagen / Spielzeug was wieder gegen den Nachweis der Alltagstauglichkeit spricht. Zumindest nicht die Entwicklungskosten der grundlegenden Technik. Daher hat das MS seine Existenzberechtigung. Es weist Alltagstauglichkeit nach und wird von einer nicht speziell preissensitiven Käuferschicht angenommen. Es ebnet den Weg in die kostengünstige Breite, wie schon sehr oft bei Innovationen im Automobilbau. Um von A nach B zu kommen braucht auch niemand eine S-Klasse. Und schon gar keinen Lambo. Und kein MS.

Ich stimme Leto zu. Zudem gibt es drei weitere aus meiner Sicht wichtige Fakten zu berücksichtigen:

  1. Tesla (Musk) will / muss Geld verdienen. In den USA ist nur das ein Nachweis für (persönlichen) Erfolg! Und ich bin sicher das Musk ein erfolgsgetriebener Mensch ist… Und Geld verdienen lässt sich mit einer neuen Technologie eher im Hochpreissegment.
  2. Wenn die traditionelle Automobilhersteller Mafia bewegt werden soll / muss, dann nur darüber, dass sie dort getroffen wird wo es wehtut: bei den hochpreisigen Luxuskarossen - genau das macht TESLA mit Erfolg (siehe Zulassungszahlen in den USA im Vergleich zu S-Klasse und 7er BMW). Ich denke das ist mit Sicherheit auch eine Motivation von E. Musk :mrgreen:
  3. alles mir bekannten Skeptiker der E-Autos haben als Referenz immer die Klein(st)wagen und umgebauten Seifenkisten als abschreckende Beispiele aufgeführt. Motto: ich will kein ‚Verzichtsauto‘ und komm mir nicht mit ‚Jute statt Plastik‘. Diese Skeptiker / Kritiker verstummen beim Anblick und Fahren des MS - zu 100%.

Denke das ist der wichtigste Punkt. Das Model S ist ein Wegbereiter, Meilenstein, ein „Ding-das-nicht-gebaut-werden-kann“. Und plötzlich steht es da, nicht als unbezahlbares Einzelstück oder Kleinserie, sondern zu einem fairen Kurs.

Dass das Model S im Vergleich mit ähnlichen Limousinen zudem gar nicht wirklich teuer ist dürfte auch nicht unerwähnt bleiben. Dass es z.B. für mich zum „eternal car“ werden soll anstatt wie andere Karren heutiger Bauart nach 10 Jahren weggekloppt auch nicht.

Da ich ja vor hatte meinen EU-Wahlkampf mit einem Tesla-S zu führen, bin ich auf solche Reden bestens vorbereitet.
Inzwischen wurde ich von der NEOS wegen parteischädigenden Verhaltens von der Liste gestrichen. Jede Aussage, es müsse was geändert werden, es gäbe kein ewiges Öl, ist für die Hurra, wir sind IN, Hurra wir sind HYPE Partei NEOS parteischädlich. Also hier mein Statement:

In der Marktwirtschaft gibt es aufstrebende und limitierte Märkte.

Typisch für aufstrebende Märkte sind -20% im Preis bei jeder Verdoppelung des Weltmarkts. Wir haben es bei Elektronik, Computer, Handies und Photovoltaik erlebt, aber auch der Ölmarkt hatte von 1860 bis 1910 alle Symptome eines aufstrebenden Marktes: Ständige Preissenkungen durch mehr Nachfrage.

Seit 1973 ist der Ölmarkt ein eindeutig limitierter Markt. Mehr Nachfrage führt zu einem höheren Preis. Wenn die Nachfrage das Angebot um 1 Million Barrel übersteigt, dann muss der Konsument mit einer Preissteigerung von US$ 20 das Barrel dazu überredet werden 1 Million Barrel weniger zu verbrauchen. Das limitiert die Entwicklung der Wirtschaft, diese ist in einem eindeutigen Kontrollmechanismus mit der Ölförderung verknüpft. Die Energy Watch Group prognostiziert für 2030 einen Rückgang der Ölförderung um 40 Prozent.

Die bisherige Theorie der Umweltschützer bezüglich Elektroautos ist gescheitert. Rollende Verzichtserklärungen sind Ladenhüter. Ich wohne in Salzburg. Wenn ich meine Mutter in Innsbruck (200 km) nicht ohne Nachladen besuchen kann, dann ist es eine rollende Verzichtserklärung. Wenn ich für die Fahrt zum Münchner Messegelände (150 km) erst den Wetterbericht befragen muss, ob ich vorher liegen bleibe, dann ist es eine rollende Verzichtserklärung.

Denken wir zurück an den ersten Mercedes S um 1980 mit ABS. Der Aufpreis für ABS war in der Region eines Kleinwagens. Durch Massenproduktion und technischen Fortschritt ist ABS und ESP heute Zulassungsvorschrift in der EU. Jeder Kleinwagen muss es haben. Der Tesla-S trägt dazu bei, dass der Markt für Elektroautos schneller wächst, dass mehr Forschungsgelder in noch bessere Akkus investiert werden.

Wenn der Benzinpreis für die meisten so unbekannt ist, wie heute der Preis für Pferdefutter, wenn wir auf der Autobahn einen Tesla S 170 mit einem großen Wohnwagen am Haken Richtung Süden ziehen sehen, dann haben wir eine stabile Zukunft erreicht.

Mehr Stromverbrauch spart richtig Energie.

Visualisierung + Animation in einer Präsentation :

Screenshot von der Überschrift ; abendblatt.de/region/pinnebe … paren.html

oder von hier

stadtwerke-karlsruhe.de/cms/ … t-sich.pdf

oder von hier

sw-bv.de/leistungen/energies … paren.html

Dann diese Headline / Bild animiert in dicken fetten Rot durchstreichen

„So ein Quatsch“

Dann lass Dein Model S ins Bild fahren und das vorherige Bild rauskicken

Dann mit Sound (Buch auf Tisch knallen) erscheinen lassen :

Das sind die Werte auf die es ankommt :

Spitze 210 km/h
0 - 100 km/h in 4,4 s
100 % elektrisch

denn damit spare ich täglich
x Liter Diesel
xy CO2

und gewinne jeden Tag :

5 kg Lebensfreude
20 Minuten Zeit (Laden (Tanken) übernacht)

Tesla Model S aus Freude am Sparen

:smiley:

Falls es bis Montag Zeit hat mache ich Dir diesen Part gerne fertig.

Nachhaltigkeit und Fahrspaß schließen sich nicht mehr aus und irgendwann versteht das jeder

Elektroautos…

  • haben eine schlechte Beschleunigung
  • haben geringe Reichweite
  • sind langsam
  • sind hässlich
  • brauchen lange Zeit zum Aufladen
  • sind teuer

Dann eventuell Punkt 1-5 vom MS „überfahren lassen“ und im weiteren darauf eingehen, warum Sie derzeit noch teuer sind.

Ich stelle mir folgende Bilder vor, die es sicher im Internet gibt:
-Öltanker der eine gigantische schwarze Abgas Rauchwolke ausstößt
-Vogel am Strand mit Ölverschmutztem Gefieder
-Bilder von acht oder mehrspurigen Autobahnen, die alle mit Autos verstopft sind darüber dicke Luft
-Auspuff Wolke die aus einem Auto heraus kommt
-Frau die einen Kinderwagen durch die Straßen voller Autos schiebt
-Landschaften, wie in Texas, die mit Bohrtürmen übersät sind
-Bilder von Ölscheichs, die wahnsinnig reich sind
-Bilder von einem Autosalon, auf denen teuren Sportwagen und schicke Ladys zusammen zu sehen sind

Schockerbilder und die Götzen, die wir anbeten.

Kontrastprogramm. Ein dahin rauschendes E-Auto mit einem Windrad, dass sich dreht im Hintergrund. Botschaft ist: still stehende Windräder schaffen Bewegung. Leise, sauber, Spaß bringend.

Was auch immer gut ankommt sind Kinder um die 10 - 12 Jahre alt, die auf ihre Art Fragen stellen. Da darf man dann einfach antworten und das Publikum erfährt so „nebenbei“ die Botschaft, die man vermitteln will. Kann auch lustig werden, dann erreicht man das Ziel noch eher.

Beispiel:
Professor: „Vor dem Heimweg von der Ostsee nach Berlin müssten Sie Ihr Auto noch vier bis acht Stunden laden“. Zwölfjähriger: „Wäre es dann nicht schlau, man würde das Auto gleich bei Ankunft an der Ostsee laden lassen und nicht erst vor dem Heimweg?“. Das war ein Lacher im Herbst 2012 an der „Kinder-Uni“ der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Mona hatte dem Knirps diese Frage gesteckt. Hätte ein Erwachsener das gefragt, hätte das niemals diese Wirkung gehabt!

Wenn ich vielleicht noch einen anderen Blickwinkel einbringen kann:

Mir kommt das mit dem Model S etwa so vor:

In Deutschland erklärt jeder, der mit KFZ-Technik und Autobau etwas zu tun hat, das es unmöglich ist, E-Mobilität erfolgreich und verbraucherorientiert durchzusetzen. Elon Musk wusste das nicht und hat es einfach gemacht. Mit einem genialen Auto und gleichzeitig mit der passenden Infrastruktur.

Will sagen: Das Model S ist ein Beweis, das „revolutionäre“ Technik auch heute erfolgreich in Bereichen umgesetzt werden kann, die auf konventionelle Technik verharren wollen und von Bedenkenträgern geprägt ist. Fortschritt wurde jedoch schon immer durch Visionäre ermöglicht - nicht durch Bedenkenträger. Wir in Deutschland waren lange führend in technischen Neuheiten. Es geht nicht um die Rettung der Welt oder des Klimas, es geht um den Beweis unserer Kompetenz unserer Qualifikation und unserer Innovationsfähigkeit.

Elektromobilität wird alleine nicht das Klima retten. Aber sie wird, neben anderen Zukunftstechnologien, unsere Wirtschaft die nächsten 50 Jahre antreiben. Wenn wir es endlich schaffen, die Scheuklappen abzulegen und innovativ werden.

Braucht die Welt den Tesla?

Ja, und da reicht mir schon als Begründung, dass das Geschwafel deutscher Auto- und Energiekonzernbosse, was alles in der E-Mobilität noch nicht gehen soll, vom Model S ad absurdum geführt wird.