Bericht Probefahrt / Kaufentscheidung

Liebes Forum,

ich (Bald Tesla Fahrer? / Kaufberatung - #5 by StefanSX) erzähle Euch nach 2 Tagen Tesla Model 3 LR hier meine Gedanken zur Probefahrt - für andere, die vor einer ähnlichen Entscheidung stehen; vielleicht haben auch die Besitzer Spaß am Lesen. Ich überlege gerade einen zu kaufen und habe mir für paar Tage einen gemietet. Außerdem sind paar Fragen noch offen von meiner Seite.
Vorab: In Summe ist es ein „Daumen hoch“ und ich werde wahrscheinlich zuschlagen.

Was mich begeistert:

  • der Motor, einfach großartig der „Gummibandeffekt“. Macht süchtig und Lust auf noch mehr (Performance)
  • das Fahrwerk: Mit den 18 Zoll Aero Felgen ist das Ding für mich genau richtig. Härter soll es nicht sein. Das deutliche Mindergewicht gegenüber MS merkt man und zahlt sich in Form von viel mehr Fahrspaß auf der Landstrasse richtig aus.
  • die Ladeinfrastruktur: Gg. meinem ersten Tesla Anlauf vor 2,3 Jahren (der an absurden Leasingraten gescheitert ist, nicht am Produkt) hat sich auf meinen Hausstrecken wie Klagenfurt-München oder auch in Österreich generell die Situation sowohl in Sachen SuC wie auch Alternativen (ioniq, Kelag) dramatisch verbessert, als Beispiel: Ich habe von Klagenfurt bis München jetzt 8 SuC oder Ioniq Stationen schön geografisch verteilt zur Wahl, damals waren es glaube ich 2. Das funktioniert alles richtig toll mittlerweile.
  • Der SuC: Hinfahren, einstecken, Kaffeetrinken, fertig.
  • Die Lenkung: Schönes, kleines Lenkrad, tolles Lenkgefühl. Bin eigentlich immer nur auf Sport gefahren
  • das riesige Google Maps Navi mit den besten Stauinformationen. Bei meinen „Deutschen“ (BMW, Mercedes) weiche ich in kritischen Verkehrssituationen immer darauf aus, hier also gleich das Beste, und das auch noch auf einem riesen Touchscreen. Super!!!
  • Die Tesla Community: Wie beim ersten Anlauf lernt man am SuC immer nette Menschen kennen, mit denen man einfach ins Gespräch kommt

Was mich positiv überascht:

  • die Verarbeitungsqualität. Vor 2 oder 3 Jahren für eine Woche einen Tesla S Mietwagen gehabt (der hatte schon paar km auf der Uhr), und obwohl ich vom „Erlebnis Tesla“ positiv überrascht war, das war schon ein deutlicher Kritikpunkt. Ami-Innenraum der 80er Jahre. Um so erfreuter bin ich über den Sprung den Tesla gemacht hat: Das fühlt sich alles sehr gut an. Auch die berühmten falschen Spaltmaße habe ich zumindest bei meinem Exemplar nicht finden können.
  • der Verbrauch: Ich bin ganz einfach so gefahren wie mit einem sportlichen Benziner: Nicht wild, aber auch nicht auf den Verbrauch achtend, Autobahn wie immer in Österreich 140 wo es geht, natürlich mit viel 80/100 in Baustellen, Tunnels, auch immer wieder mit Lust am Beschleunigen auf der Landstrasse (ich hatte bisher keinerlei Reichweitenprobleme auf den bisherigen Strecken) und pendle mich immer rund um 175 ein, ich denke es wäre kein Problem mit bisschen Disziplin auf 150 zu kommen
  • Die Audioanlage plus Spotify Integration, auch wenn es mich als Podcast Freak genervt hat wie schlecht die Podcast Suche ist (gibt dazu einen eigenen Thread, den habe ich gefunden). Podcasts habe ich dann erst Recht über das Handy abgespielt
  • Die Windgeräusche auf der Autobahn: Finde ich alles sehr, sehr gut, auch in Sachen Abrollgeräusche.
  • Wie schnell man sich an das Tablet in der Mitte als einziges Interaktionselement gewöhnt und wie gut das in der Praxis funktioniert
  • Wie gut Kindersitze hinten reinpassen und wie viel Beinfreiheit die hinten haben
  • Wie gut die 2 Scrollräder mit gleichzeitiger Links/Rechts Navigation am Lenkrad funktionieren und wie haptisch gut die das hinbekommen haben (bin ein wenig Haptikfreak :smiley: )
  • die vielen, großen Ablagen im Innenraum

Wo ich mir noch nicht sicher bin:

  • Die Sitze. Gar nicht schlecht, schön weich, aber ob mir die Sitzbreite oben für Langstrecke genug ist? Ich habe die MS Sitze besser/breiter in Erinnerung, aber das ist wie gesagt 2,3 Jahre her, da kann die Erinnerung verklären. Ich bin übrigens völlig normal schwer und gebaut :slight_smile:

Was mich nervt:

  • Man braucht ein 2-Semester Studium „Ladestecker, Ladezeiten, Optimierung“. Bis man weiß welche Anbieter mit welchem Stecker wie schnell laden, das dauert (ist aber gg. dem Erstversuch auch deutlich besser geworden). Beispiel: Ich habe so einen roten „Sauna“ Stecker in der Garage, ging mit dem Model S damals problemlos, jetzt passt der Stecker wieder nicht, daher daheim nur Steckdose - OK, dank dem Forum hier kenne ich jetzt die Antworten, aber man muss sich das zusammentragen :slight_smile:
  • Kleine Seltsamkeiten in der Software, z.B. hat mich die App am Smartphone während er am SuC hing und ich Kaffee getrunken habe andauernd falsch darüber informiert, dass der Ladevorgang unterbrochen wurde
  • Die Handyhalterung mit Lademöglichkeit vorne: Erstens muss man immer die Hülle abbauen (wer verwendet heute keine?) und zweitens das Ding mühsam wieder rausnehmen, wenn man z.B. schnell eine Whatsapp beantworten will. Ich würde mir das Ding in jedem Fall an einem längeren Kabel befestigen und irgendwie anders „montieren“, was mangels Lüftungsgitter wahrscheinlich nicht ganz so einfach wird

Was mich grob enttäuscht hat:

  • Die Fahrassistenzsysteme. Auch wenn ich mich jetzt hier nicht beliebt mache: Mercedes und BMW sind hier teilweise zu meiner großen Überraschung besser. Möglicherweise hat aber auch mein Testwagen einen Knacks oder ich mache etwas grob falsch, beim Erstversuch mit MS damals war ich begeistert; vielleicht haben die auch gewaltig aufgeholt. Beispiele:
  • Fernlichtassistent. Musste ich nach kurzer Zeit abschalten, ständig wurde ich angeblinkt, weil ich jemanden geblendet habe. Funktioniert mit dem partiellen Ein- und Ausschalten der Lichtsegmente bei BMW um vieles besser ehrlich gesagt
  • Der Abstandstempomat - für mich als Viel-Autobahnfahrer, auch im Berufsverkehr, ein Schlüsselfeature: Ist der beste den ich je hatte solange ich jemandem hinterherfahre: Smooth, tolle Abstandsregelung am Lenkrad. Sobald ich ausscheren will oder jemanden überholen viel zu lange Bedenkzeit bis wieder Gas gegeben wird, ich habe den jedesmal overruled weil ich nicht warten wollte. Auch hier die Deutschen viel cleverer: Wenn ich blinke kapiert der dass ich ausschere und reagiert viel schneller.
  • Automatische Lenkung: Oft gar nicht verfügbar, die Regelung mit dem ich muss am Lenkrad ziehen um zu beweisen dass ich da bin ist irgendwie schlecht eingestellt. Mercedes kann das mittlerweile wesentlich besser! :blush:
  • Automatischer Scheibenwischer: Irgendwie tut der nicht das, was ich will. Meist wartet er viel zu lange. Ich habe allerdings auch keine Einstellung dazu gefunden.

Was ich noch testen will:

  • Die Sprachsteuerung. Habe ich noch nicht gemacht.

In Summe also bin ich begeistert, mit der Einschränkung Assistenzsysteme; das Zusatzpaket würde ich auf keinen Fall mitbestellen. Ich fahre noch zwei Tage und date meine Erfahrungen noch ab.

Der Performance würde mich extrem reizen, allerdings mache ich mir Sorgen wegen der größeren Felgen, härter als jetzt muss eigentlich nicht sein… Aber reizen tut er schon!

An der Stelle möchte ich mich nochmals ausdrücklich beim sehr kultivierten und wirklich hilfreichen Tesla Forum hier bedanken, das ist für alle Tesla Fahrer ein absolutes Muss!

Schöner Bericht, nachvollziehbar beschrieben. Was ich anmerken würde: Alles, was Software ist, kann und wird von Tesla mit der Zeit verbessert (Stichwort Autopilot, Scheibenwischer, Fernlichtassistent). Die Frage ist, wie geduldig man dabei ist. :slight_smile:

Leider kann ich die Hoffnung nicht mehr teilen…

Ich warte nun seit zwei Jahren beim Model X auf einen funktionstüchtigen automatischen Scheinenwischer… soviel zum Thema Software und Geduld haben.

In ca. einem Jahr verkaufe ich wieder mein Model X und ich glaube überhaupt nicht mehr daran es noch im Model X oder bald im 3er zu erleben…

Deckt sich was die Assistenten angeht ungefähr mit meinen eigenen Ergebnissen nach Anmietung eines Model S.

Fernlichtassistent, der nur Auf- und Abblenden kann und dann trotzdem nur sehr schlecht ausleuchtet fand ich genauso erschreckend wie den vollkommen nutzlosen „Regensensor“. Beim MS konnte man das immerhin abschalten und man hatte einen normalen Intervallwischer, wie in meinem 83er Golf 1

Das der AP beim Spurwechsel riesige Lücken braucht und trotzdem nicht rafft, das er einen Spurwechsel macht und deswegen keine Vollbremsung hinlegen müsste, wenn er rechts einen LKW entdeckt fand ich auch sehr störend.

Ich hatte eigentlich gedacht, das der AP DAS Kaufargument für mich sein würde, da ich meinen Volvo auch wo immer möglich selber fahren lasse und gehofft hatte, das der AP das alles besser könnte, aber außer den viel engeren Kurven, die der AP noch packt finde ich den Volvo Piloten auf der Autobahn viel harmonischer.

Fernlichtassistent. Musste ich nach kurzer Zeit abschalten, ständig wurde ich angeblinkt, weil ich jemanden geblendet habe

Stimmt(e). Aber: Funktioniert bei mir seit dem neusten update 2019.12.12 (oder so ähnlich) jetzt prima.

Der gehörte beim Golf aber zur Sonderausstattung…
Intervallwischer gibt’s beim M3 genauso wie beim MS.

Trotzdem ist die automatische Scheibenwischerregelung noch stark verbesserungswürdig, kann ich auch von meiner Probefahrt sagen.
Zusätzlich gehört eine Einstellbarkeit der Grundempfindlichkeit implementiert, nicht jeder hat das gleiche Empfinden wie oft eine Scheibe gewischt werden soll.

Sehe ich auch als die schnellere Lösung. Nicht nur im deutschen gibts es viele Bezeichnungen für Regen. Es gibt den einen Regen eben nicht.

Alles typisch für amerikanische Autos :wink:

Nee war Serie, es war nämlich ein CL, also schon fast die Luxusversion GL. Scherz beiseite im Jahre 2019 einen praktisch unbrauchbaren Regen- und Fernlichtassistenten zu verbauen hinkt schon arg hinter dem Wettbewerb hinterher.

Hat das 3er die drei Stufen für den Automat nicht?

Leider nicht. Nur 3 manuelle Stufen oder Auto. Bei Auto gibt es keine weitere Einstellmöglichkeit der Sensitivität wie man es von anderen kennt.

Danke Stefan für deinen Bericht, ich denke da kann jeder zustimmen, auch wenn Details immer Frage persönlicher Präferenz sind.

Ich hab ein IPhone mit der (sauteuren) Apple Silikonhülle. Zuerst hatte ich das Problem auch. Der Stecker ging immer zwischen Hülle und Handy und nicht in den Lightning Port. Aber man hat da etwas Spielraum. Ich hab nen mini Stück Papier hinter meinen Stecker montiert, so dass der nicht genau „mittig“ liegt sondern etwas nach oben absteht.
Wenn man das Handy flach auf die Auflage legt und es dann parallel nach unten verschiebt klappt das immernoch nicht gut. Ich hab mir daher angewöhnt das Handy mit der unteren Kante zuerst ganz unten „aufzustellen“, und dann in einer Bewegung mit leichtem Druck nach unten auch oben aufzulegen. Oder anders gesagt: Handy senkrecht halten, Arm nach unten bewegen bis es aufsitzt, dann Hand nach vorne kippen.

Seitdem ich das so mache funktioniert das total prima. Bis ich das raushatte hab ich vor ein Jeda Pad zu holen, so seh ich aber keine Notwendigkeit.

Hoffe das hilft.

Habe eine dünne harte Hülle und kein Problem es anzustecken. Kommt wohl auf die Dicke und Material der Hülle an.