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Auswirkungen von Flüchtlingsunterkünften

So richtig begeistern tut mich das aber auch nicht. Denn was mit den 70 Cent geschieht, darauf hast Du nur sehr wenig Einfluss. Vielfach wird das Geld sogar so eingesetzt, dass sich die hier diskutierten Probleme noch verschärfen!

Daher bleibt einem meiner Meinung nach kein anderer Weg, als zusätzlich zur Steuer (die leider unvermeidlich ist) eine Art „freiwillige Steuer“ in Form von Spenden zu zahlen. Was mir dabei große Freude bereitet: Je nach Steuersatz, der bei den meisten Tesla-Fahrern für deutsche Verhältnisse hoch sein dürfte, kann ich auf diese Weise einen gewissen Anteil aus dem großen, von mir praktisch nicht zu kontrollierenden Steuertopf gezielt umwidmen für Projekte, die ich für sinnvoll halte. Immerhin, dieses ganz legale „Schlupfloch“ gesteht einem das deutsche Steuergesetz zu! Immer wenn ich irgendwo spende, spendet „der Staat“ mit: Er verzichtet auf Steuereinnahmen zu Gunsten des (als „gemeinnützig“ anerkannten) Projekts, das mir persönlich wichtig ist.

Falls jemand diesbezüglich Anregungen braucht, nur mal so als Beispiele für Organisationen, die ganz konkret des Leid von Flüchtlingen und solchen, die es werden würden, lindern:
:arrow_right: aerzte-ohne-grenzen.de/
:arrow_right: plan.de/spenden/nothilfe-fonds.html

Da kann ich meinen Wohlstand teilen. Ich verzichte gern auf das eine oder andere IT Gadget (um eines Deiner Beispiele zu nennen), muss aber zum Beispiel bei den Entwicklungschancen und der Ausbildung meiner Kinder keine Abstriche machen. Das ist doch wahrer Luxus! :slight_smile:

(Du darfst gerne den Devil’s Advocate geben und mir unterstellen, ich würde mich auf diese Weise von meiner Verantwortung frei kaufen. Diese Sichtweise sei Dir gestattet, und ich freue mich, wenn Du mir vormachst, wie man es noch besser machen kann.)

Das Thema ist jetzt unter „Off Topic“ gelistet. Dass es dort hingehört, da besteht sicher Einigkeit. Ich sehe im Moment – auch als Moderator – keinen Grund, das Thema hier abzuwürgen.

Kein Widerspruch. Wählen darf ich noch aber… Nur der Hinweis das Du eben auch entschieden hast das auf Kosten von Menschenleben so zu begrenzen das Du vom überlebensnotwendigen Minimum noch weit entfernt bist. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen und mit sich ausmachen.

Vollkommen richtig. Ist zur Kenntnis genommen.

Es gibt allerdings einen – je nach Situation – außerordentlich breiten Bereich zwischen „sich auf das Existenzminimum zurück ziehen“ und „gar nichts unternehmen“. Es ist keine binäre Entscheidung. Die Entscheidung, meinen Wohlstand nicht gleich ganz aufzugeben, darf nicht als Ausrede dafür herhalten, nicht doch gleich jetzt, ganz konkret, etwas abzugeben. Dazwischen liegt ein großer Ermessensspielraum. Welchen Kompromiss jeder wählt, muss er oder sie wieder mit sich selbst ausmachen… Wer die Entscheidung auf die Extreme reduziert, macht es sich meiner Meinung nach zu einfach. Ich weiß nicht, ob Du das gemeint hast, aber man könnte es so verstehen.

Natürlich nicht, es gibt viele Zwischenlösungen.

Hier auch eine:

http://www.childaid.net

Aber in Deutschland Steuern zahlen ist durchaus vermeidbar. Wenn gerade große Einkommen wirklich auch 70% abgeben und nicht durch eines der anderen legalen, nicht so gemeinnützigen Schlupflöcher entkommen würden wäre das auch ein Schritt. Von den illegalen (Hoeneß Effekt) ganz zu schweigen.

Da bin ich anderer Meinung. E-Fahrzeuge sowie die ganze Energiewendie ist ein Thema von politischer und gesellschaftlicher Wichtigkeit. Immer wieder diskutieren wir Auswirkungen von Technologie auf das Zusammenleben der Menschen ganz allgemein.

Zum Thema Flüchtling bekenne ich mich als befangen, meine Familie wurde vertrieben und hat in Deutschland Unterschlupf und Schutz vor religiöser Verfolgung gefunden. Ist zwar ne Weile her - die Hugenotten flohen 1685 aus dem Frankreich von König Louis XIV.

Warum kommen denn so viele Flüchtlinge zu uns? Hier herrscht Frieden, das materielle Überleben ist gesichert, wir haben ein Gesundheitssystem und einen Rechtsstaat mit funktionierender Verwaltung, unabhängiger Justiz, Demokratie, Kontrolle durch die vierte Gewalt (die Presse), Transparenz in den gesellschaftlichen Prozessen, Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt, Trennung von Staat und Kirche, Recht auf Bildung, Gewerkschaften uvam. Das meiste sind Lehren vieler entsetzlicher Auseinandersetzungen, der Wohlstand beruht auf der Ausbeutung fossiler Rohstoffe.

Wir müssen dieses Modell weiter entwickeln und auf eine nachhaltige Basis stellen, primär ohne Öl Gas und Kohle. Erst dann taugt es zum uneingeschränkten Export in andere Teile der Welt. Ob die Menschen in anderen Ländern den ganzen Rest auch haben wollen, müssen sie selbst entscheiden.

+1000

Vielen Dank Volker !

Sehr schön zusammengefaßt.

:wink:

@past petrol: Danke für Deine großartigen Worte, ich empfinde mein Leben auch als Luxus, im Vergleich mit vielen anderen. Das mindeste was man machen kann, ist Verständnis zu haben und so gut als möglich zu helfen.

LGH

Es ist schwierig bei diesem Thema gerecht zu sein. Sicher sind das keine Verbrecher sondern Menschen die aus Diktaturen und Armut fliehen.

Trotzdem glaube ich nicht, dass keiner ein Problem damit hätte wenn neben ihm ein Asylbewerberheim gebaut wird. Auch nicht die Forumisten. Denn egal ob die Bewohner friedlich sind oder nicht, der Wert der Immobilie in der Nachbarschaft sinkt. Das liegt nicht an diesen armen Menschen sondern an dem was die meisten Deutschen hier darüber an Vorurteilen im Kopf haben. Das kann man denen wiederum nicht vorwerfen. Warum?

Schließlich werden nur die schlechten Beispiele gezeigt, von Dealern, Salafisten und anderen Verbrechern. Der IS droht sogar damit Terroristen unter die Flüchtlinge in Richtung Europa zu mischen.

Über die vielen guten Beispiele von Integration schreibt und berichtet kaum einer, weil das vermutlich keine Quote bringt. Daher ist das Bild eher negativ geprägt.

Diese Vorurteile werden z.B. auch in den Scoring-Verfahren der Bonitätsagenturen (Schufa) gepflegt: wer in schlechter Nachbarschaft wohnt, ist angeblich weniger kreditwürdig. Fragwürdig.
:confused:

Ich bin wieder mal überrascht und begeistert, welche Diskussionen diese Forum hervorbringen kann. Der Tiefgang und der Umgang beeindruckt mich immer.

Natürlich gehört so ein Thema hier her. Dieses Forum ist nicht unpolitisch, kann es garnicht sein, denn die Umstellung der Welt auf erneuerbare Energien und die Abwendung vom begrenzt vorhandenen Natur-Rescourcen wie Öl und Gas, wie es die Motivation ganz vieler Fahrer und Freunde hier im Forum ist (da gabs mal ne Umfrage zu), ist eines der politisch wichtigsten Themen unserer Gegenwart und Zukunft.

Imanent enthalten ist, dass wir aufhören, in aller erster Linie nur an uns persönlich zu denken, ohne unseren Egoismus als Menschen zu vergessen: Wir sind alle zu schwach, echte Ghandis zu sein, aber ein bisschen auch an Andere denken, einfach von dem Sahnehäubchen ein bisschen was abgeben, das kann soviel ändern in der Welt, ohne das es weh tut.

Es ist toll und nicht unbegründet, dass es das Asylrecht in Deutschland gibt, einer der wirklich großartigen Ideen der Verfassungsväter. Diese Ideen sollten nicht durch kleinherzige Gedanken zu eventuellen Wertminderungen kaputt gemacht werden. Menschen sind egoistisch, keine Frage und es macht keinen Sinn das zu verleugnen, aber wir können auch mitfühlend, teilen und unterstützen und dann wird unser Character rund und ausgewogen.

Das MS finde ich ein schönes Spiegelbild: Der Egoismus bewundert Kraft, Beschleunigung, Aussehen und Bequemlichkeit, der gute Mensch bringt mit 0 Emissionnen und seinem persönlichen Einsatz die ganze Welt ein Stückchen näher an ein besseres Leben für alle heran. Es tut nicht weh und foch hilft es allen.

Und zum Abschluss daher:
Nach meiner Meinung sollte es viel mehr gute und hochwertige Unterkünfte für Flüchtlinge geben. Gerne auch in meiner Nachbarschaft. Solange 200 Flüchtlinge Wochenlang in einer Turngalle eingepfercht sind, gibt es da enormes Verbesserungspotential.

Daten und Fakten:

bka.de/DE/Publikationen/Poli … sicht.html

Gruß SRAM

+1

Stellen wir uns doch einmal die Frage, wieso einige Mitbürger ein Problem mit Flüchtlingsunterkünften in Deutschland bekommen. Deutschland ist KEIN Grenzland zu irgendwelchen Problemregionen, zB Syrien, Nordafrika … . Aber trotzdem zieht es Flüchtlinge besonders nach Deutschland.
Selbst der jüngste Vorschlag mit einer europäischen Quotierung innerhalb der EU hätte daran nicht geholfen, die Flüchtlinge wollen ja nicht nach zB GB, die sich gegen so etwas wehren.

Deutschland ist in der Welt vor allem für seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bekannt, sowie für seine, zumindest nach aussen, toleranten Flüchtlings-/Asylpolitik. Beides in meinen Augen durchaus positive Aspekte. Damit kann man sich in der Welt sehen lassen, ohne groß feindselig und misstrauisch beäugt zu werden.

Das Problem mit überfüllten Flüchtlings-/Asylunterkünften spitzt sich durch die durchaus menschliche „finde ich toll, aber nicht in meiner Nachbarschaft“ Mentalität weiter zu. Ein Problem, welches gelöst werden MUSS. Auch wenn es in Deutschland eine weniger schöne Geschichte gibt, in der Menschen in Lagern konzentriert und bewacht wurden, wird weiterhin in diese Richtung gedacht und agiert. Siehe Kasernierung und Misshandlung von Flüchtlingen in NRW und Niedersachsen in der letzten Zeit.

Ein Programm um Deutschland, vgl GB, unattraktiv für Flüchtlinge zu machen könnte den Flüchtlingsstrom abschwächen? Aber wollen wir das wirklich, ist es doch einer der Punkte, die das deutsche Image nach 1945, wieder ein wenig aufpoliert hat. In meinen Augen ist das neben dem menschlichen Aspekt verpflichtend, und irgendwie macht es einen auch ein wenig stolz auf seine Herkunft.

Spreche ich mich von einer verzweifelten Reaktion durch ungewollte Einkasernierung, Bewachung und Arbeitsverbot durch einen Flüchtlingsstatus frei? Sicher nicht. Reaktionen, die zu strafbaren Handlungen fürhren sind mE dadurch sogar teilweise erklärbar. Es ist keineswegs so, das Kriminelle im Ausland ihr Geld sparen um nach einer teilweise lebensgefährlichen Flucht ihre Straftaten lieber in Deutschland auszuüben, weil es sich hier mehr lohnt. Das Problem sind und bleiben die absolut überfüllten Unterkünfte. Hier muss man ansetzen.

Generelle Vorkriminalierungen, der Art Flüchtlingsunterkunft = Kriminalitätssteigerung, finde ich absolut fehl am Platze und vergrößern das Problem eher, als sinnvoll eine Problemlösung zu erarbeiten.

Meiner Meinung nach sollte die Größe der Unterkünfte stark redurziert werden. Den Flüchtlingen ein Regelbuch, meinetwegen auch in ihrer Heimatsprache, ausgehändigt werden. Bei dem ersten Verstoß hiergegen eine sofortige Ausweisung innerhalb von 7 Tagen ohne die Möglichkeit von Rechtsmitteln dagegen. Diese Leute sind auf der Flucht und sind dankbar für die Aufnahme, auf der anderen Seite zeigt man seine Dankbarkeit sicher nicht durch Straftaten/Regelbrüchen.

Just my 2 cents am frühen Morgen

Die meisten Menschen leben doch sehr gerne in ihrem eigenen Land und gehen nur widerstrebend weg, wenn es gar keine andere Perspektive mehr für sie gibt. Da muss man meiner Meinung nach ansetzen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit mehr „Fair Trade“-Produkten? Das ist natürlich kein Rezept gegen Bürgerkrieg und Naturkatastrophen, aber es hilft zumindest denen, die noch in halbwegs stabilen Verhältnissen leben, diese zu bewahren.

Richtig, die ursachenbekämpfung kann da schon viel bewirken, auch wenn man da politisch Grenzen hat. Direkt poltisch Verfolgte werden aber nicht den Großteil ausmachen. Hat da wer Zahlen?

Wichtiger Punkt ist imho, das man ruhig gewissen Erwartungen an die Flüchtlinge stellen sollte. Wer nicht bereit ist, die dt. Sprache in einem hinreichenden Maße zu erlernen, hat wohl nicht genügend Leidendruck.
Abgrenzung wird zwangsläufig zu Problemen führen.

Letztendlich dürfte es für viele Beteilgten angenhmer sein, in oder in der Nähe der eignene Heimat Hilfe zu bekommen, als wenn sie unter lebensbedrohlichen Umständen nach DE gelangen und dort irgendwo mehr schlecht als recht beherbergt werden.

Allerhand Probleme in Flüchtlingländern resultieren ja auch aus raffgierigen Machenschaften, die Mensch und Land extrem ausbeuten bzw. vergiften.

Guten Morgen !

Zunächst möchte ich meine Achtung und meinen Respekt für das Forum hier ausdrücken. Trotz Auslagerung (OT) ist wohl nicht davon auszugehen, daß dieser Thread ein schnelles Ende findet, was bemerkenswert ist und für die Mitglieder hier spricht - ganz toll.

Um etwas Klarheit in das Bild mit den überfüllten Unterkünften zu bringen, die immer gern für die Darstellung der Probleme in diesem Bereich benutzt werden, muß man kurz mal auf die Zuständigkeiten im föderalen System Deutschlands eingehen.

Der BUND ist nicht für die Unterbringung der Asylbewerber verantwortlich, das sind die Länder. Die Länder übertragen i.d.R. die Unterbringung durch Weisung an die kreisfreien Städte und Kommunen. Der BUND führt das Verfahren nach dem AsylVfG und regelt im Grundsatz die Leistungserbringung gegenüber den Asylbewerbern durch das AsylblG. Die Leistungsbezüge gleichen denen von HARZ IV mit leichten Abwandlungen und leiten sich aus dem SGB XII ab.

Grundsätzlich sind also Asylbewerber finanziell so ausgestattet, wie deutsche Harz IV Empfänger und zwar vom ersten Tag an. In den ersten drei Monaten nach Ankunft darf ein Asylbewerber nicht arbeiten. Danach hat er ein eingeschränktes Zugangsrecht zum deutschen Arbeitsmarkt, wenn das JobCenter und die Ausländerbehörde dem Begehren des Asylbewerbers zustimmen. Es gelten z.B. Überprüfungsgrundsätze dahingehend, daß z.B. kein deutscher Arbeitnehmer für die Stelle gefunden werden kann u.s.w.u.s.f. !

Der Bund führt das Asylverfahren mit Hilfe des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) durch, welches Aussenstellen in den Erstaufnahmeunterkünften unterhält.

Im Grundsatz ist die Unterbringung in Deutschland dreistufig gestaltet - unterscheidet sich aber von Bundesland zu Bundesland UND tlw. auch in den Kreisen.

  1. Erstaufnahmeeinrichtung (Betrieb durch das Bundesland)
  2. Gemeinschaftsunterkunft (Betrieb durch das Bundesland und die Kreise)
  3. dezentrale Unterbringung (Betrieb durch die Kommunen)

Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen in Schleswig-Holstein (für dieses Bundesland kann ich das ausführen), ist ein Asylbewerber verpflichtet, min. 6 Wochen, längstens jedoch 3 Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu verweilen. Danach muss er / sie das nicht mehr. Übrigens ist die Residenzpflicht für Asylbewerber bereits im letzten Jahr weitestgehend aufgehoben worden - Asylbewerber können sich in DE frei bewegen. Sie dürfen nur keinen Wohnraum abweichend von in der Zuweisungsbescheinigung angegebenen Adressen beziehen / in Anspruch nehmen.

Nach der Erstaufnahme, kann eine Asylbewerber in eine Gemeinschaftsunterkunft zugewiesen werden. In SH sind hier maximal 100 Menschen pro Einrichtung gesetzlich erlaubt. Einrichtungen mit mehr als 100 Menschen sind in SH IMMER Erstaufnahme Einrichtungen, die wir in Neumünster, Flensburg und Lübeck betreiben.

Einige Kreise in SH betreiben keine Gemeinschaftsunterkünfte (absichtlich !), sondern nehmen nur dezentral auf. Die maximal Aufenthaltsdauer in einer GU beträgt in SH 6 Monate ! Danach wird ein Flüchtling immer dezentral untergebracht.

Die denzentrale Unterbringung ist der REGELFALL in SH ! Hier befinden sich die Flüchtlinge in der Unterbringung in Kommunen, die dafür Wohnraum (Häuser, Wohnungen) zur Verfügung stellen.

In dieser Unterbringungsart verbleibt der Flüchtling bis zum Verfahrensende. Dieses endet mit einer Aufenthaltsbeendigung oder mit einem Aufenthaltstitel - z.B. nach §25a AufenthG aus humanitären Gründen - diesen Titel erhalten z.B. viele Flüchtlinge aus dem Irak.

Warum sind die Erstunterkünfte so voll ?

Die Länder sind bis Ende des Jahres komplett überfordert gewesen. Obwohl sich die massiven Flüchtlingsströme abzeichneten ist viel zu spät auf die schiere Anzahl von Flüchtlingen reagiert worden. Mal eben eine Unterkunft für 600 Menschen in der Erstaufnahme aus dem Boden zu stampfen, läßt sich nicht übernacht berwerkstelligen. Zudem übernimmt der BUND nur mangelhaft seine Verantwortung in der Finanzierung der verschiedenen Thematiken beim Asylrecht.

Zuständigkeiten an die Länder zu delegieren löst nicht die Finanzierung der Bewältigung der damit verbundenen Aufgaben. Aktuell tut sich dort etwas, die Früchte werden wir in SH aber erst im Q3/Q4 2015 ernten können.

Der BUND ist ebenfalls dafür verantwortlich, genügend „Entscheider“ - so der Fachterminus - im BAMF zu Verfügung zu stellen. Das sind die Menschen, die im Rahmen des laufenden Verfahrens einen Asylantrag entscheiden. Sicher habt Ihr alle mitbekommen, daß im Q4 letzten Jahres der Bundesrat gesetzliche Regelungen zum Thema „sichere Herkunftsländer“ und daraus resultierende verkürzte Verfahren getroffen hat. Das ist ja nett, aber wenn kein Personal zur Durchführung der entspr. Verfahren vorhanden ist, kommt man an diesem Punkt nicht weiter. Bundesweit fehlen da bis zu 2000 Stellen. Eine entspr. Ausbildung bei entspr. Vorbildung dauert ca. 6 Monate. Hier wird gerade nachgesteuert - es dauert aber ein wenig.

Aus diesem Grund bekommen aktuell auch Kommunen Zuweisungen von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern, die kaum einen Aussicht auf Asyl in unserem Land haben. Da wir aber in einem Rechtsstaat leben, der über das Einzelverfahren funktioniert, müssen auch diese Verfahren korrekt entscheiden werden, um Fehler bei einer etwaigen Verallgemeinerung zu verhindern. Es gibt auch erfolgreiche Asylverfahren aus diesen Ländern - der Prozentsatz dieser Bewilligungen lag im letzten Jahr in SH bei ca. 0,7 % - dennoch wären es Menschen gewesen, die wir zu Unrecht ausgewiesen hätten. Diese Fehler dürfen einem Land wie Deutschland nicht unterlaufen.

Weiterhin weist das Land SH von Ende November bis 31.03. eines jeden Jahres Flüchtlinge aus humanitären Gründen nicht aus - der sogenannte Winterstop - das verschärft regelmäßig in den Wintermonaten die Situation um die Aufnahmekapazitäten.

Darüber kann man sich trefflich aufregen und ja - das ist nicht alles korrekt - aber ich habe bisher keine Flüchtlingsfamilie kennengelernt, die diese Strapazen aus Spaß auf sich nimmt. Ich habe viel mit Familien zu tun, die mit kleinen Kindern unterwegs sind und denen es einfach nur darum geht, daß die Kinder nicht frieren und zu Essen haben. Auch wenn es sich hier in Teilen um die sog. „Wirtschaftsflucht“ handelt, leiden diese Menschen unter Armut. Zunächst ist es unsere Pflicht und Aufgabe, diesen Menschen und ihren Kindern ein Obdach zu geben.

Auf einer anderen Ebene muß man dann das WARUM besprechen und überlegen, was man in den Herkunftsstaaten unternehmen kann oder global verändern kann, damit die Menschen dort glücklich werden, wo sie aufgewachsen sind. Denn in Ihre Heimat wollen alle zurück, mit denen ich sprach - nur eben nicht unter den aktuellen Bedingungen.

Ich finde es sehr bemerkenswert, daß hier im Forum auch schon darüber gesprochen wird, WARUM wir eigentlich solche Probleme haben mit Flüchtlingen in unserer Nähe. Bei uns im Ort wohnen sie dezentral direkt unter uns - mitten im Ort.

Wir betreuen die Flüchtlinge und leben zusammen - das kostet Geld, was die Kommune nicht hat - hier beginnen die Probleme. Immer dann, wenn wir die Menschen sich selbst überlassen und uns nicht um sie kümmern, immer dann beginnen die Probleme - das sind die Fehler, die wir machen.

Das Problem in unserem Land sind die Vorurteile. Ja stimmt - Grundstückspreise können sinken, wenn Asylbewerber in der Nähe wohnen - warum ? Weil es sehr fragwürdige Scoring-Unternehmen gibt, die über Geoscoring die Kreditwürdigkeit ganzer Strassenzüge herabsetzt oder auch die Grundstückswerte anders bewertet, weil wir glauben, dass die Kriminalität steigt, weil wir Bilder von religiösen Fanatikern im Kopf haben und vieles mehr.

Die Realität ist aber seit langem eine ganz andere. Menschen, die Hilfe suchen, sie bekommen und dafür unendlich dankbar sind. Menschen, die Kinder verloren habe, die auf Minen liefen, der Vater von der IS vor den Augen der Familie ermordet wurde. Menschen, die bei uns zur Ruhe kommen, durchatmen können, für eine Weile Frieden finden. Das ist Asyl 2015 in Deutschland.

Ja - es gibt Menschen, die dieses System missbrauchen - die werden aber langfristig nicht bleiben. Und wg. dieser Menschen dürfen wir dieses so wichtige Thema in unserem Land nicht durch platte und unsachliche Polemik riskieren.

Asyl ist ein Grundrecht. Das einzige Grundrecht, das nicht für Deutsche gilt - nur für Ausländer !

Der Artikel 16a unserer Verfassung ist die ausgestreckte Hand unseres Heimatlandes, für jeden auf der Welt, der politisch verfolgt wird, dessen Leben bedroht ist oder der nicht unter menschenwürdigen Bedingungen in seinem Heimatland leben kann. Es ist das, wozu wir Zeit unseres Lebens als Deutsche verpflichtet sind im Ausgang zweier verheerender Kriege, die endloses Leid hervorriefen.

Deutschland hat sich verändert und das ist eine sehr wichtige Botschaft an unsere Nachbarn und den Rest der Welt.

Ich wünsche Euch allen Frohe Pfingsten !
:wink:

Besten Dank past_petrol für diese ausführliche Schilderung. Kannst Du uns auch noch in etwa mitteilen, woher diese detailierten Infos stammen, bzw inwiefern Du in diesen Prozess eingebunden bist?

Schönes Pfingstfest an alle …

Eric

:wink:

Ich habe einige kommunalpolitische Ehrenämter. Im Rahmen dieser Ehrenämter habe ich sehr viel mit der Umsetzung der Betreuung und Unterbringung von Asylbewerbern zu tun.

Bin auch gerade wieder zurück aus der Unterkunft vom Wochenbesuch.

Für Schleswig-Holstein kann ich da sehr viel sagen. In anderen Bundesländern stellen sich die Dinge durchaus anders da. Die rechtlichen Rahmenbedingungen gleichen sich aber in etwa überall.

Ein sehr vielschichtiges Thema, dessen Gestaltung und Ausfüllung sehr viel über ein Land verrät - vor allem aber über deren Einwohner und da muss ich sagen, bin ich alles in allem sehr stolz auf mein Heimatland !

@past_petrol, Danke für Deine Ausführungen, dies zu reflektieren ist wichtig und regt zum nachdenken an.

Denn,

wenn man sich mit verschiedenen Hintergründen beschäftigt bekommt man ohnehin einen anderen Blick auf die Flüchtlingsströme.

Selbstverständlich können wir nicht alle hier aufnehmen. Aber was passiert in deren Länder?

Der Westen und zunehmend auch Asien agieren wie folgt,

Wir machen deren Landwirtschaft vor Ort kaputt, weil die EU subventionierte Lebensmittel dort billig verkauft
Es werden Fischereirechte billig gekauft, die Gelder verschwinden in korrupten Taschen von örtlichen Machthabern und mit den technischen Möglichkeiten die Industrieländer haben fischen wir deren Gebiete leer. Die Fischer vor Ort fangen kaum noch was.

etc. pp.

und nicht zuletzt,

wir kaufen und verbrauchen Öl aus Staaten mit diktatorischen Strukturen, nicht wenige davon unterstützen indirekt und direkt den islamistischen Terror, der dadurch eine jahrhundertealte Religion diffarmiert.

Letztendlich hat der Westen gar kein Interesse, daß Staaten auf dem afrikanischen Kontinent sich stabil entwickeln und auf Augenhöhe kommen. So lassen sie sich doch viel besser ausbeuten.

TTiP wird das noch beschleunigen. Einen gewissen Teil von uns Europäern wird es mehr Wohlstand bringen, für den größten Teil Nachteile. Aber Staaten auf der südlichen Halbkugel werden von vorneherein damit abgehängt.

Ich würde von dort auch abhauen wollen, müßte ich da leben. Alleine schon wegen diesen irren ewiggestrigen Islamisten. Aber eine Lösung für Europa ist es nicht, das muß jedem klar sein. Ich sehe aber auch keine Alternative, weil der politische Wille dazu nicht erkennbar ist.

Grüße
Rudi