Achtet ihr beim Laden auf "Netzentlastung"?

Ich weiß es nicht aber Du nutzt die Seite doch schon länger :wink:

Ja das ist es.
Das gilt aber ebenso für die Netzentlastung: will ich mein Auto wirklich um 18 Uhr einstöpseln und damit ein Kohlekraftwerk „animieren“ meine 30kWh zu erzeugen oder mache ich es besser um 3 Uhr nachts, wenn sowieso zu viel Strom im Netz ist und erzeuge keine zusätzlichen Luftschadstoffe?
Bin ich also bereit, die Umwelt zusätzlich zu belasten, um die Energieversorger unter Druck zu setzen?

Aber ob das (ist Strom nachts über?) wirklich so ist, versuche ich auch gerade herauszufinden…

Also man muß sich eigentlich die Frage stellen, was das mit dem Netz so auf sich hat.

Ist man Öko, weil man das Netz entlastet ? Das setzt voraus, daß das Netz zu Teilen überlastet ist und vor allem deshalb, weil es aktuell - angeblich - falsch ausgebaut ist.

Die Frage ist doch, welcher Theorie man folgt. Ich bin ein Anhänger der dezentralen Energieerzeugung unter Einbeziehung von SMART GRID Strategien. Würde man dem folgen, dann müßte man das Netz nicht so ausbauen, wie man das aktuell vor hat. Man müßte eher in Intelligenz investieren, denn in pure Leitungskapazität oder Trassenausbau. Was uns ja fehlt sind im EE-Bereich sog. Langzeitspeicher. Hier im Norden ist das Thema Windgas auch sinnvoll zu betreiben. Einen Netzausbau werde ich ggf. nicht forcieren, in dem ich mich so verhalte, daß ich möglichst wenig „Schaden“ anrichte und das Problem damit abschwäche. Verhalte ich mich anders, ist die Reaktion der Deutschen Energielobby doch nicht die, die Netz adäquat auszubauen, sondern eher die, die EE-Einspeiser in ihrer Wirkleistung begrenzen zu wollen (haben wir ja schon !!!), um die eigenen Pfründe zu schützen.

Für mich bedeutet Netzausbau die Schaffung von Langzeitspeichern für EE ! Dann schließe ich einen Tarif ab, der mir das E-Auto Laden z.B. über Nacht aus EE-Speichern garantiert und bin auch Nachts sauber.

Dennoch sollten wir nicht aufhören, uns darüber den Kopf zu zerbrechen, weil das wirklich wichtige Gedanken sind. Von einem wahrlich smarten grid, sind wir aber Lichtjahre entfernt. Der Durchbruch der E-Mobilität hat auch einen krassen Nachteil. Wenn Abends 40 Mio Autos laden wollen, dann klappt das Netz zusammen. Also wird es darauf hinauslaufen, das Fahrzeuge abgestimmt auf das Benutzungsverhalten und die Netzkapazität laden dürfen. Ich sage dann dem Tesla, daß ich morgen um 07:00 Uhr losfahre und zu 80% geladen sein will - wie der Wagen das hinbekommt, kann er mit der Wallbox aushandeln, die wiederum am smart grid hängt und mal checkt, was in meinem Netzsegment adäquat ist. Ich bin natürlich als 100% Öko-Strom-Verbraucher registriert und das wird ebenfalls berücksichtigt…

Irgendwie so…

Übrigens sollte für jeden von uns hier das eine rein physikalische Diskussion sein.

Bilanziell animiert man kein Kohlekraftwerk und auch kein AK den Ladestrom zu generieren, weil ja hoffentlich alle zertifizierten Ökostrom zu 100% im Bezug haben, oder ???

Es ist also eine Frage des physikalischen, lokalen Netzsegmentes, nicht der Bilanz im Bezug an sich - die ist immer 100% Ökostrom.

Ich könnte keine Antwort geben, da wir seit 1998 und 2000 ca 1000 Haushalte mit Windstrom versorgen. Insofern bekommen wir hier fast immer physikalisch reinen Ökostrom. Leider bringt unsere PV-Anlage hier oben im Westerwald nicht wirklich viel, sodass ich das kaum rechnen kann. Aber das jetzt genau nach Lastprofil zu steuern, wäre mir zu mühsam. Wir zahlen den größten Teil unserer Stromrechnungen für die Netzdurchleitung. Auch wird bei meiner WKA-Rechnung immer Netzgebühr fällig. Die Netz"anbieter" firmieren sich alle paar Jahre um, um dem Monopol zu entgehen. Und verdienen sich dumm und dämlich an unseren Netzgebühren. Leider wird auch das Netz von der Politik völlig überbewertet - ist eben Lobby der Energiekonzerne. Mein Credo ist auch dezentral. Aber solange die Macht so verteilt ist, können wir nur im kleinen Akzente setzten - und das tun wir alle hier :smiley:

+100

Genau! Wer jetzt versucht ohne Anreiz das Netz zu entlasten, vermindert vielleicht Lastspitzen, stärkt damit aber nur die Vertreter des „Grundlast-geht-nur-mit-Konventionel“ -Arguments. Wo sind die schlauen Tarife und Smartmeter? Fehlanzeige! Wenn es in Deutschland einen Anreiz gäbe würde schnell auffallen das man ziemlich viele Strom Trassen gar nicht mehr bauen muß. Bei unseren Strompreisen würden manche Versuchen den ein oder anderen € zu sparen.

Ich benutze, wenn ich Lust habe, die 50Hertz App. Je nachdem wie die Prognose steht, Lade ich dann Nachts Wind oder im Sommer Mittags „Solar-Peaks“ :wink: Dort steht fast immer, das aus dem „Osten“ Strom exportiert wird. Auch die Wind Leistung kann man Live einsehen. Auf http://www.agora-energiewende.de/ kann man den Verlauf der Stromproduktion und des Exund Imports sehr gut beobachten. Die Kohlekraftwerke laufen auf Hochtouren, auch wenn grade 30GW Wind produziert werden :cry: Was soll ich da mit meinen 22kW Verbrauch ändern?

Ich bin Hin und Her gerissen. Im Moment geht mein Trend eher zu, „Ist mir egal!“ Obwohl ich sehr gerne bereit wäre, wenn es sinnvoll ist mein Ladeverhalten anzupassen.

Ich denke eine fuer mich akzeptable Loesung kann nicht sein bevorzugt nachts zu laden, solange zu der Zeit nicht genuegend regenerativ erzeugter Strom vorhanden ist.
Stattdessen scheint es mir sinnvoller smart zu laden - heisst fuer mich, nicht der Steckdosenbesitzer wird zur Kasse gebeten, sondern der Autobesitzer. Das sollte mittels kryptographischer Verfahren in einem Smartgrid moeglich sein.
Dann koennte ich meinen Wagen z.B. bei der Arbeit einstecken, und das Smart im Grid sorgt dafuer, dass ich abends mindestens nach Hause komme. Falls tagsueber ein EE-Ueberschuss vorhanden ist laedt der Akku mehr, max. bis zur von mir vorgegebenen Obergrenze.

Idealerweise ist’s dem Arbeitgeber Wurscht, denn er sieht den Posten nicht auf seiner Rechnung, sondern ich auf meiner.
Das setzt natuerlich voraus, dass die Stromtarife so etwas erlauben, die muessten ggf. umgestellt werden. Aber das ist ja im Zuge der Smartgridumstellung sowieso noetig.

Ubitricity denkt in diese Richtung. Da nimmt jeder seinen eigenen Zähler mit. Die Vision ist natürlich, dass der Zähler nicht an einem 500 Euro teuren Kabel baumelt, sondern ins Auto integriert ist…

Ich habe keine glühend herabfallenden Hochspannungsleitungen oder explodierende Kohlenmeiler in der Umgebung bemerkt. Das spricht für die Netzentlastung.
Mein Stromversorger hat den Strompreis nicht erhöht. Das spricht dafür, dass er meinen zusätzlichen Strombedarf nicht zu Spitzenpreisen einkaufen musste.

==> UNENTSCHIEDEN :nerd:

Ich bin mir nicht sicher, ob das so ist. Die Bilanz ist doch auf einen Zeitbereich gerechnet (Monat/Jahr) und nicht auf die aktuelle Einspeise und Auslastungsbilanz. Das könnte ja dazu führen, dass ein Gaskraftwerk zu Spitzenzeiten nicht anfahren darf, weil der Bedarf nur von Ökostromkunden angefordert wird. Kann doch nicht sein. Im Umkehrschluß heißt das aber, dass ich dann einen Bedarf für Atom- oder fossile Kraftwerke erzeuge, selbst wenn ich 100% Ökostrom bestellt habe.
Weiß jemand auf welchen Zeitbereich genau gerechnet wird?

15 Minuten. Es ist immer ein Mix. Schließlich wird niemand das Netz zusammenbrechen lassen, wenn 1000 MW Ökostrom bestellt sind, abgerufen werden aber wegen Windstiller Nacht nicht zur Verfügung stehen…

Gruß SRAM

Strom wird in Kontingenten auf Jahre im Voraus bestellt gemäß Lastprognose der Stromversorger. Die Differenz zum aktuellen Strombedarf wird am Spotmarkt eingekauft, dort werden Kontingente in Stunden- und in Viertelstundentakt eingekauft.
Darüber hinaus werden Dienste wie Regelenergie, Blindleistungskompensation, Frequenzstabilisierung etc. gehandelt. Ich weiß aber nicht ob die der Netzbetreiber einkauft oder dein Stromversorger.

Die Diskussion, wie sich ein Strom-Mehrverbrauch auswirkt, hatten wir schon mehrfach. Generell kann man sagen, physikalisch wirkt es sich nicht zu Gunsten der EE aus, weil die sowieso alles einspeisen, was sie erzeugen. Die Zeiten mit Stromüberschuss, wodurch Sonnen- oder Windkrafterzeugung abgeregelt werden, sind gering und meist einem Engpass im Versorgungsnetz geschuldet, nicht einer Verbrauchsdelle.
finanziell wirkt sich dein Stromverbrauch auf Erneuerbare Energien dann aus, wenn dein Versorger dein Geld in neue Erzeugungskapazität investiert. Beispielsweise Greenpeace Energy und EWS Schönau geben entsprechende Erklärungen ab.

Thema „bilanziell“

Wer eine eigene PV-Anlage mit ggf. Eigenverbrauch hat, weiß, was ich meine.

Es gibt da die Größen der Autarkiequote und des Eigenverbrauchs. Wir erzeugen im Jahr ca. 8 MWh und speisen davon 6 MWh ein. 2 MWh Eigenverbrauch. Netzbezug 3 MWh / Gesamtverbrauch 5 MWh (normal bei 4 Personen).

Bilanziell haben wir uns komplett selbstversorgt - da wir 8 MWh erzeugt haben und weitaus weniger verbraucht haben. Dennoch haben wir 3 MWh physikalisch bezogen und das ggf. auch zu Zeiten, wo nicht genug EE-Strom zur Verfügung stand - also hier AKW :frowning:. Kaufmännisch haben wir nur Ökostrom bezogen -physikalisch nicht. Deshalb sind Speicher für uns interessant. Knallt Autarkiequote und Eigenverbräuche hoch - reduziert physikalischen Bösestrom :slight_smile:.

Da die Speicher noch nicht ganz so weit sind - jetzt erstmal ein Tesla - netter mobiler Speicher :slight_smile:. Aktuelle Eigenverbrauchsquote 25% ist nicht weiter steuerbar ohne Speicher oder E-Auto…

Für Stabilisierung sind die Netzbetreiber verantwortlich, nicht dein Stromversorger (was bei so manchem auch garnicht möglich wäre, da reiner Handelsbetrieb ohne entsprechendes Personal oder Überwachungseinrichtungen). Dafür gesteht ihnen die Netzagentur nur einen recht schmalen Gewinn zu und zwingt sie zu totaler offenlegung ihres Geschäftes: daß da niemand investieren will, kann ich verstehen, ich lege mein Geld auch lieber in Firmen an, die frei wirtschaften können.

Gruß SRAM

Finanziell ist mir das jetzt erstmal egal. Das Stromseemodell suggeriert den Sachverhalt etwas falsch, weil es ja noch sehr wenige Speichermöglichkeiten im Netz gibt.
Für mich heisst das aber schon, dass es nicht unbedingt eine gute Idee ist in der Nacht zu laden. Zumindestens in Bayern. In MeckPomm mag das anders sein.

Alles interessante Aspekte aber ich bin so schlau wie vorher :frowning:

Irgendwann werden wir zu Zeiten laden müssen, an denen noch netzkapazitäten vorhanden sind.

Deshalb warum nicht auch jetzt schon, mit gutem Bsp. vorangehen? Vor allem um einer möglichen regulierungswut zuvorzukommen.

:slight_smile: Da hast Du jetzt Recht !

Dieser thread läuft deshalb so abgedreht, weil jeder eine andere Vorstellung von der „Netzentlastung“ hat und sich die Frage stellt, was eigentlich das Ziel der Netzentlastung sein soll. Wäre die Frage „Achtet Ihr darauf, ob Ihr möglichst viel EE-Strom tankt ?“ wäre es die Umfrage nicht wert - so hoffe ich.

Es gibt deshalb keine klare Richtung in der Argumentation (nicht bei der Abstimmung), weil die Auswirkungen der „Netzentlastung“ unklar sind - oder nur vermutet werden können, und weil das lokal alles sehr unterschiedlich ist.

Wir haben im Ort auch ne riesen Biogas-Anlage und einen anliegenden Windpark - aber auch Brokdorf.

Sicher ist folgendes:

Ich kann mir physikalisch nur sicher sein, wenn ich den Strom möglichst zum Großteil selber erzeuge. Im Bereich von Einfamilienhäusern geht das nur mit Langzeitspeichern. Die gibt es so noch nicht. Der Bezug von konventionellem Strom beim Laden eines E-Autos ist statistisch natürlich senkbar, aber extrem abhängig von lokalen Gegebenheiten. Insofern durchaus unsicher. Die Idee, hier aber beim Laden anzusetzen - mit den von Dir beschriebenen Ansätzen oder Ideen ist aber wichtig und auch richtig. Sie ist eine der Grundlagen beim späteren Design von ernsthaft intelligenten Stromnetzen und Ladeinfrastrukturen in der Breite. Also jede Diskussion darüber ist lohnenswert. Leider kann man den Erfolg nicht wirklich nachweisen, was nicht zur Motivation beiträgt.

Oder anders - „Einfach machen - jetzt“. Je gesicherter die lokale Prognose, je besser ist es. Bei uns ist mir Brokdorf zu nahe - ergo trimmen wir alles auf eigene Produktion - nach dem Tesla kommt der Speicher bzw. erstmal noch der E-Wagen für meine Frau - aber dann. 80 km weiter nördlich von uns ist Wind eine ernsthafte Kenngröße…da mag es anders aussehen. Ehe tagsüber die Wirkleistungsbegrenzung am Windrad eintritt, ziehe ich den Strom lieber in den Tesla. In den letzten drei Tagen hat hier keiner gewusst wohin mit dem Strom - alles exportiert worden…aktuell ist es lau und dunkel - da weiß ich das gerade drei bis vier Atome für mich arbeiten…

Vielen Dank für Deine gute Zusammenfassung!

Dieser Punkt interessiert mich noch besonders:

In 1 km Abstand zu meinem Haus befindet sich ein Windpark. In 25km Entfernung allerdings eine Kohlekraftwerk.

Kann ich aufgrund der räumlichen Nähe des Windparks davon ausgehen, dass ich nachts, wenn ordentlich Wind weht (so wie in den letzten Tagen), nahezu 100% Windstrom tanke?
Vermutlich müsste man dazu wissen, wie die Netzverteilung aufgebaut ist aber die Einspeisung ins Netz durch den Windpark dürfte ja nicht zu weit entfernt sein.

Oder allgemeiner gefragt: kann man bei räumlicher Nähe zu einem Windpark generell davon ausgehen, dass man einen deutlich höheren Anteil an Windstrom aus seinem Hausanschluss bekommt?
Zumindest bei Wind und nachts, wenn das Netz weniger ausgelastet ist und der Windstrom ansonsten nicht verbraucht werden könnte.

Das ist EIN gemeinsames Netz. Das Potential dieses Netzes wird von allen gemeinsam gehalten. Das kann man nicht auseinanderdividieren, das ist physikalischer Unsinn. :unamused:

Gruß SRAM