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1% - Regelung - Steuerliches Dilemma :-(

Hallo zusammen,

vielleicht hat ja schon jemand ähnliche Erfahrungen mit dem Finanzamt machen müssen und kann mir einen Tipp geben, wie sich das hoffentlich noch lösen lässt.

Wir haben in den Jahren 2016/17/18 zwei EV’s im Firmenbestand gehabt. Ein Tesla MS, angeschafft 2016, mit einem BLP von 130T€ und einen BMW i3, angeschafft 2015, mit einem BLP von 40T€. Der Tesla wurde zu ca. 70% betrieblich genutzt, Der BMW zu 90%. Beide PKW waren Leasingfahrzeuge und alle Ausgaben wurden gelten gemacht: ca. 6T€/Jahr für den BMW, ca. 12T€/Jahr für den Tesla. (netto)

Da absehbar war, dass in dieser Konstellation die 1% - Methode zu viel zu hohen zu versteuernden Beträge für die Privatnutzung führen würde, haben wir für beide PKW Fahrtenbuch geführt, um das vernünftig und fair abzurechnen. Leider ist das FA nunmehr im Rahmen einer Betriebsprüfung der Meinung, die Fahrtenbücher aus formalen Gründen verwerfen zu wollen :frowning: Im ersten Schritt werden wir natürlich versuchen, die Fahrtenbücher doch noch anerkennen zu lassen.

Die Vorwürfe gehen in Richtung fehlendes Abkürzungs-/Kundenverzeichnis (kann man vielleicht noch nachreichen) und pauschal zu ungenauen Einträgen. Ich habe vorher noch nie Fahrtenbuch geführt und kann nicht ausschließen, dass das FA durchaus Recht hat. Wenn hier jemand Erfahrungen hat, wäre ich für Hilfe dankbar. Gern auch per PN.

Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass wir da nicht weiterkommen, bin ich gewillt, dass ernsthaft und grundsätzlich mit dem FA auszudiskutieren. Aus meiner Sicht führt hier aufgrund der verschobenen Kostenstruktur bei den EV’s ein eklatanter Fehler in der Steuersystematik zu einer extrem überhöhten Besteuerung der Privatnutzung bei der Nutzung der 1% Methode.

Für den BMW bedeutet das, dass trotz lediglich 10% Privatnutzung ca. 50-60% der Kosten tatsächlich zu versteuern wären. Beim Tesla ist es noch krasser. Für die 30% Nutzung wären im ersten Ansatz 110-120% zu versteuern. Damit privat nicht mehr als die tatsächlichen Ausgaben versteuert werden müssen, gibt es allerdings eine Deckelung. Diese führt hier dann dazu, das „nur noch“ 70-80% versteuert werden müssen. Ha Ha. Unterm Strich würde das zu einer 5-stelligen Nachzahlung führen :nauseated_face:

Zwei Fragen / Bitten dazu.

  1. Was für Argumente könnte ich in der Schlussbesprechung mit dem FA aufführen, um das FA zu überzeugen, dass ich in einer Finanzgerichtsverhandlung guten Karten hätte.

  2. Ist jemand (oder kennt jemand) einen Fachanwalt für Steuerrecht, der der Elektromobilität aufgeschlossen gegenübersteht und Lust und Zeit hätte, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Ich würde mir das gern in einem Erstgespräch in voller rechtlicher Schönheit erklären lassen, um zu wissen, wo ich wirklich stehe und wie die Erfolgsaussichten in einem Prozess tatsächlich wären. Gegebenenfalls gäbe es natürlich auch das Mandat. Bitte ausschließlich per PN!

Danke,
Alex.

Wenn Dir Deine komplexe und steuerlich teure Problematik nur das Honorar einer Erstberatung wert ist, mußt Du Dein Problem wohl selbst lösen. Geiz ist Geil funktioniert in beratungsintensiven Rechtsstreitigkeiten nicht.

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Alex, dein Problem ist nicht die E-Mobilität sondern die Berechnungsart. Gerade in deiner Konstellation mit der Ermittlung des privaten Anteils über Fahrtenbücher anstatt der 1%-Regelung zeigen sich die Finanzämter gerne ziemlich streng, was die Kriterien an das Führen von Fahrtenbüchern angeht. Ein normaler Steuerberater ohne großartige Kenntnisse zur E-Mobilität sollte dir hier auf jeden Fall weiterhelfen können.

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Das sehe ich auch so. Aber wahrscheinlich nicht in einer Erstberatung.

@AlexDD hast Du bei Deinen Betrachtungen schon die Minderungen des Listenpreises für BEV abhängig von der Akkugröße berücksichtigt?

Gruß Mathie

Dann präzisiere ich. Mit „Erstberatung“ habe ich nicht kostenlos gemeint! Auch wenn es das jetzt vielleicht suggeriert hat. Sorry. Selbstverständlich würde ich dafür auch ein Honorar zahlen, unabhängig, davon, was dann rauskommt.

Und natürlich kennt sich mein Steuerberater mit der Thematik grundsätzlich aus. Ist aber leider ein bisschen Petrol-Head :wink: Nach der mir bekannten geltenden Rechtslage, haben wir vermutlich keine Chance, wenn die Fahrtenbücher nicht noch irgendwie akzeptiert werden.

Normalerweise hätte ich auch einfach das 1% genommen und fertig. Problematisch und teuer wird das hier durch die sehr hohen Anschaffungskosten des EV im Vergleich zu den recht geringen laufenden Kosten. Das war damals so einfach nicht in der Steuersystematik mit drin. Mit der Reduktion auf 0,5 bzw. 0,25% hat der Gesetzgeber hier ja mittlerweile auch nachjustiert.

Insofern bräuchte ich hier auch jemanden, der ein bisschen kreativ ist und wirklich Interesse an so einem EV-spezifischen Thema hat. :slight_smile:

Alex.

Wie kommst Du auf die Idee? Er möchte in der Erstberatung die grundsätzliche rechtliche Situation erklärt haben und wenn ein Streit sinnvoll erscheint, würde er, wie er in dem Teil, den Du nicht zitiert hast, wie er extra betont natürlich auch ein Mandat erteilen:

Er sagt also explizit das Gegenteil, von dem was Du behauptest!

Gruß Mathie

Ich hatte das mit der Minderung für die Akkus in meinem Überschlag mit drin. Den Steuerberater musste ich erst drauf hinweisen. Das lindert das Problem ein bisschen, aber nicht wirklich sinnvoll. Und wir sind da direkt beim nächsten Fehler in der Systematik, beim Deckel für die maximalen Kosten für die Privatnutzung wird das nicht berücksichtigt. Insofern verpufft das beim Tesla wirkungslos :frowning:

Zitat: „in einem Erstgespräch in voller rechtlicher Schönheit erklären lassen“

So komme ich auf die Idee.

Die Erfahrungen die wir mit unseren Betriebsprüfungen bisher hatten (3 in Summe) sind leider das sich das Finanzamt immer das der betriebsprüfer sich auf das Fahrtenbuch gestürzt hat und jedes Haar in der Suppe gesucht hat.
Wenn z.B. die Schreibweise der Einträge immer die gleiche ist wurde unterstellt das man es nicht zeitnah ausgefüllt hat. Ausserdem wurde immer wieder bemängelt das die Kundenangaben nicht richtig sind und am besten war wirklich das jeder Eintrag bei dem zu erkennen war das etwas gekauft wurde (Tanken, Waschstrasse, Fahrt zum Baumarkt) auch immer die belege dazu in der Buchhaltung gesucht wurden und ich musste dann erklären warum ich zum Bauhaus gefharen bin aber nichts gekauft habe (weil ich villeicht das nicht gefunden habe was ich suchte?!).

Es war deutlich zu spüren das der Prüfer auf jeden fall das Fahrtenbuch ablehnen will.
Unser Steuerberater hat uns deshalb immer die 1% regelung empfohlen - erspart ihm natürlich bei der Prüfung Arbeit und kostet ihn auch kein Geld :frowning:

Letztendlich haben wir bei keiner der Prüfungen das Fahrtenbuch durchbekommen weil der Prüfer sich stur gestellt hat. Da nichts anderes zu finden war haben wir es dann auch auf sich beruhen lassen.

Will sagen - wenn die nicht wollen kann das bis zur Klage gehen.

Autsch. So hat es mein Steuerberater ja auch immer empfohlen. Da bei den EV aber absehbar teurer Blödsinn rauskommt, habe ich mich notgedrungen auf das Fahrtenbuch eingelassen. Deine Beschreibung bzgl. eurer Prüfungen klingt genau so, wie es jetzt auch bei mir auf dem Tisch liegt. :frowning:

Nach allem, was ich bisher so gehört haben, mögen die FA keine Klagen. Unser bisheriger Plan geht daher in die Richtung, das FA in der Schlussbesprechung derart zuzutexten, dass sie glauben, dass wir es wirklich auf eine Klage ankommen lassen wollen. Vielleicht sind sie dann zu einem Kompromiss bereit.

Dafür brauche ich im ersten Schritt ein paar Ideen/Argumente.

Alex.

Wenn es Deinem Steuerberater Arbeit erspart, spart es auch Dein Geld. Oder soll er die Arbeit gratis erledigen?

@ Raven2019: Kannst du diesen Nebenkriegsschauplatz bitte in einem eigenen Thread diskutieren, wenn dir das wichtig ist. Danke!

Nach der Schlussbesprechung kommt erstmal der Prüfbericht. Dann kommen die Änderungsbescheide. Dann mußt Du erstmal Einspruch einlegen. Bis zur Klage dauerts noch ne Weile…

Warum machst Du es nicht einfach so, wie es der normale Weg ist: Laß Deinen Steuerberater seine Arbeit machen. Mit einer Laien-Diskussion am virtuellen Stammtisch ist Dir nicht gedient.

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Sei vorsichtig ob das Finanzamt überhaupt recht hat, ich bezweifle das mittlerweile grundsätzlich, nicht weil ich eingebildet bin, sondern erfahren aus 10 Jahren Steuerkorrespondenz und ständig Dinge passieren die man nicht für möglich hält.
Da werden korrekte Steuererklärungen in Blödsinn gedreht, erstmal zu unrecht Geld verlangt, Vollzugsaussetzungen ignoriert,ein rießen Aufwand betrieben um dann den Einspruch zuzustimmen und doch wieder alles so zurück zu drehen und Geld wieder zu erstatten, wie es am Anfang war.

Ich versuche schon gar nicht mehr proaktiv irgendwas zu machen, weil man sich gar nicht denken kann was im Kopf von einem Finanzamt`s SB so vorgeht.

Das ist so pauschal nicht richtig, nichtmal wenn der Steuerberater ein reines Zeithonorar hätte. Selbst wenn wir von einer reinen Zeitabrechnung ausgingen (was ich noch nie mit einem StB vereinbart habe) würde mir die für den Steuerberater weniger aufwendige 1%-Abrechnung nur dann Geld sparen, wenn das Mehrhonorar des Steuerberaters für die Fahrtenbuchabrechnung größer wäre, als meine Ersparnis für die Fahrtenbuchabrechnung.

Das ist aber hier nicht das Thema, es geht darum, ob AlexDd die Fahrtenbücher irgendwie anerkannt bekommt. Meine Erfahrung mit dem Finanzamt ist, dass es keine allgemeine Regel gibt, ob man vernünftig mit den Leuten reden kann oder man sein Recht vor Gericht durchsetzen muss. Hatte schon sehr vernünftige Prüfer, die bei Unklarheiten nachgefragt haben und diese mit den Steuerberatern geklärt haben und Das andere Extrem, die sich erst vor Gericht im ADVßVerfahren eine heftige Klatsche abholen mussten, dass sie die Akte dan bis in die Verjährung liegen ließen, um sich nicht korrigieren zu müssen oder im Hauptsacheverfahren eine noch heftiger Klatsche zu bekommen.

Habe allerdings wegen der potentiellen Komplikationen nie ein Fahrtenbuch geführt, da kann man bei Handaufschrieb zu viele eigentlich unbedeutende Fehler machen, die am Ende zu Konflikten mit dem Finanzamt führen können.

Gruß Mathie

Ob ein Fahrtenbuch in Ordnung ist, ist eine Einzelfallentscheidung. Dazu müßten das Fahrtenbuch und die Feststellungen des Prüfers hier öffentlich gemacht werden, damit die Steuerleute hier etwas dazu sagen können.

Diese Einstellung hat ein Steuerberater auch. Lieber mit der 1%-Regelung leben als bei einer Betriebsprüfung das Fahrtenbuch aberkannt zu bekommen. Auch er sprach davon, dass buchstäblich das Haar in der Suppe, also Fehler im Fahrtenbuch, gesucht werden, um dieses nicht anerkennen zu müssen.

Nachtrag…das war bei mir das Problem, die unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen USt und ESt sind vielen Finanzbeamten nicht bekannt…hier besteht Fehlerpotential das dass FA die ESt Seite auf die USt Seite anhebt, wie auch beim Steuerberater das er entweder das Gleiche macht oder auf der USt Seite fälschlicherweise die geringere ESt Seite ansetzt…

E-Auto korrekt versteuern

Die ablehnende Haltung von Steuerberatern zum Fahrtenbuch kenne ich, versteh ich nicht, 10 Jahre Fahrtenbuch,immer vorglegt,nie Probleme.
Problem ist für den Steuerberater das er eine Kalkulation machen muss der mit USt belasteten Kosten und USt freien Kosten…wenn man die aber ein mal hat,kann man die immer nutzen und auch für andere Mandanten. Aber gut,die wenigsten Steuerberater sind Excel Genie`s.
Der letzte sagte mir er könne meine Buchhaltung nicht prüfen selbst wenn ich zahlen würde, er wisse ja nicht ob ich die 19% Versicherungssteuer nicht als MwSt gebucht habe…da war für mich klar das ich da falsch bin.