In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

Öffentliche und private Lademöglichkeiten...

Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von Healey » 10. Mai 2017, 22:46

alupo hat geschrieben:Ich hatte kürzlich die Gelegenheit eine dieser H2-Stationen kurz vor der geplanten Inbetriebnahme zu besichtigen.

Da ich beruflich u.a. mit der Kostenseite der Synthesegaserstellung zu tun hatte war diese "Abfüllanlagenbesichtigung" für mich von besonderem Interesse.

Das Trafostation ist in einem separaten Häuschen untergebracht. Der Anschlußwert liegt bei 350 kW. Damit kann man auch 3 Teslas gleichzeitig superchargen.

Der Wasserstoff wird bei 200 bar übernommen, d.h. die analogen Eingagsmeßgeräte gehen bis 250 bar. Damit ist die Transportkapazität "begrenzt". Die neuste LKW-Technik kann bei 700 bar bis zu 9300 Nm³ H2 transportieren. Im Vergleich zu Benzin/Diesel ist das natürlich extrem wenig wenn man die transportierte Menge in Personenkilometer umrechnet. Man braucht locker die 10-fache LKW-Menge, die zusätzlich wesentlich teurer in der Anschaffung sind (Flüssigkeit versus Druckgas).

Im Inneren fallen neben den 200 bar Wasserstoffflaschen auch die große Zahl der Stickstoffflaschen auf. Diese werden benötigt da die Armaturen mittels Druckgas angesteuert werden. Normalerweise verwendet man lokal, mittels eines mit Strom angetriebenen Kompressors Druckluft. Wenn aber H2 durch die Leitungen geht ist das nicht erlaubt.

Danach gibt es zwei innere Häuschen. Im ersten ist zum einen die Steuerung vermaut (Siemens, ich glaube das 7-er System) und der eMotor (110 kW) der den Kompressor betreibt der das Hydrauliköl unter Druck setzt. Oben auf dem gibt es noch einen Doppel-Luftkühler.

Das Hydrauliköl geht dann zum zweiten Häuschen in dem 2 gegenläufige Doppelkolbenkompressoren verbaut sind. Dafür wird das Hydrauliköl benötigt. Die erste Druckstufe komprimiert von den gelieferten 200 bar auf die Zwischenstufe mit 450 bar. Die anfallenden Mengen werden in Stahlflaschen, die sich ebenfalls in diesem Häuschen befinden zwischengelagert. Danch komprimiert der zweite Doppelkolbenkompressor auf die schon genannten 875 bar (entspricht einem Druck wie er 8750 m unter der Meeresoberfläche herrscht). Die für das speichern verwendeten Flaschen sind jetzt zusätzlich mit Carbonfasern ummantelt (sind grau, nicht gelb wie im Mirai ;-)).

Daneben steht noch eine H2-Kühlanlage. Irgendwo müssen die 350 kW Anschlußleistung ja hin ;-).

Die Tankstelle könnte zwar auch Brennstoffzellen-LKWs befüllen, aber das wird mit dieser Technologie nicht klappen da eine LKW-Befüllung über 20 Minuten dauern soll und das für die Speditionen nicht akzeptabel ist. So zumindest die Aussage eines Ingenieurs der Inbetriebnahmetruppe.

Zu den Kosten: ich hatte schon von einem Bekannten der auch mal als Ingenieur in einer Raffinerie gearbeitet hat gehört dass eine neue Tankstelle ca. 1 Mio. Euro kostet. Eine die auch H2 kann, kostet aber das doppelte. Daher ist auch der Preis so hoch. Iich kenne berufsbedingt die Herstellkosten einer worlscale-H2-Anlage, die Preise sind ein Schock. Aber aufgrund der minimalen Menge und der Minichargen über die LKW-Belieferung ist sicher selbst dieser Preis lange nicht kostendeckend.

Zusätzlich habe ich gelesen dass kürzlich 7 H2-Abfüllstationen in den USA in Betrieb genommen wurde. Die Gesamtkosten wurden sogar mit 28 Mio. USD angegeben, d.h. anstatt 1 Mio. Euro wären das 4 Mio. USD.

Noch etwas zum Wirkungsgrad der mit deutlichem Abstand kostengünstigsten Art der H2-Herstellung (erdgasbasierte Steamreforminganlage mit anschließender CO-Konvertierung mittels Dampf. Das entstehende CO2 geht über Dach oder ins Bier/Cola/Sprudel) von einer worldscale-Anlage: es sind nur ca. 65%, und das bei 25 bar Druck. Die Kosten einer Anlage liegen im 3-stelligen Mio. Euro Bereich. Naja, Steamcracker sind teurer ;-).


Da dies für mich einer der wichtigsten Beiträge zu diesem Thema ist, zitiere ich Ihn mal komplett und sage nur DANKE.
LGH
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von snooper77 » 10. Mai 2017, 22:50

@alupo: Auch von meiner Seite vielen Dank. Völlig grotesk, welch ein Aufwand eine H2-Tankstelle darstellt.
85D silber (blau foliert), 19", bestätigt 18.11.2014, VIN seit 16.02.2015, Produktion 02.04., Transport 08.04., Abholung 09.06.
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von alupo » 10. Mai 2017, 22:54

Danke.
Ich versuche im Original gleich noch einige Schreibfehler zu korrigieren, die Verständlichkeit leidet etwas...
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von Healey » 10. Mai 2017, 23:04

Kannst Du mit Deinem Wissen auch erklären wie viele Autos/km man damit pro Tag bzw. gleichzeitig Laden kann. Was kosten dann 100km in etwa. Wie sieht es mit den Wartungskosten einer solchen Anlage aus?
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von alupo » 10. Mai 2017, 23:40

Naja, ich fahre ja Tesla und kenne nur die veröffentlichten Verbräuche vom Mirai. Ich habe gehört dass der Mirai ca. 1 kg H2 pro 100 km benötigen soll. Das kostet dann so glaube ich 10 €. Da bin ich früher mit meinem Prius 2 mit 5 €/100 km deutlich günstiger gefahren.

Ich habe auch leider nicht gefragt wie hoch die Kapazität der 3 H2-Flaschenbatterien ist. Ein Chemieingenieur könnte das jetzt aus dem Gedächtnis zusammenbasteln, ich nicht.

Wenn wir davon ausgehen dass 1,5 bis max. 2 LKW-Ladungen vor Ort speicherbar wären wären das vielleicht 7000 Nm³, d.h. *0,0899 ergibt ungefähr 700 kg (schade um einen 40-Tonner LKW, der ist immer voll beladen ;-)). Der Mirai kann maximal 5 kg aufnehmen, d.h. von der Speichergröße könnten maximal 140 Mirais betankt werden. Das ist für die nächsten Jahre sicher ausreichend.

Von der zeitlichen Betankungskapazität kann ich leider nichts sagen. Ich habe keine Ahnung wie schnell eine Mirai-Befüllung geht. Ich denke vielleicht 5 Minuten. Das wären dann 12 Mirais pro Stunde und fast 300 pro Tag, wenn denn der Nachschub klappt.

Es handelt sich hier um minimale H2-Mengen. Eine worldscale Synthesegasanlage produziert ca. 400 Mio. Nm³ im Jahr. Wenn man das alles per LKW abtransportieren wollte... viel Spass, insbesondere für die Anwohner die diese Diesel-LKWs riechen müssen.

Dennoch ist für mich klar: ich fahre hinter einem BSZ-Auto fast genauso gern hinterher wie hinter einem eAuto, trotz dem tollen Anti-Dieselfilter (wie lange hält der eigentlich und was kostet der?) in meinem MS.

Übrigens, in der Industrie wird H2 nicht gelagert, von kleinen Pufferspeichern für 1-2 Stunden abgesehen. H2 zu lagern ist viel zu teuer, rechnet sich nicht. Auch die Einspeisung ins Erdgasnetz geht nicht denn auch H2-produzierende Anlagen vertragen keinen Wasserstoff als Rohstoff. Wer soll die Milliarden für die Umstellung vorhandener Anlagen bezahlen wenn aus dem Erdgasnetz plötzlich ein anderes Gemisch herauskommt. Der Erdgaskonsum z.B. für Ammionakanlagen ist riesig (sie vertragen keinen H2 im Rohstoff obwohl sie selbst zu ca. 80%-90% nur eine H2-Anlage sind) und daraus wird nicht nur Dünger hergestellt.

Insofern glaubt keiner meiner früheren Kollegen (nur die, die in der Gasebranche auch arbeiten, egal ob im Gase-Marketing, Mengenplanung, als Betriebsleiter in der Produktion, Technologen dass H2 einen Sinn machen würde, aber ich war nicht bei einer der Gasefirmen beschäftigt die Gase als ihr Hauptgeschäft einstufen wie A.L., Air Products, Linde, Messer etc.).
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Wasserstoff Tankstelle ? WTF

von eDriver » 11. Mai 2017, 00:23

Vor ein paar Jahren konnte ich mal den Honda Clarity ( alte Version mit 350 Bar FC) probefahren ....
der 'Betreuer' des Fahrzeugs erzaehlte mir waehrend der Fahrt ein paar Infos aus'm Naehkaestchen ;-)

Die 9Euro pro kg H sind mal (politisch?) festgelegt worden - in Wirklichkeit sind die Erz.-Kosten
(je nach Anlage (aus Erdgas!)) so 16-17EURO!

Wenn ein Fahrzeug betankt wurde muss die Tankanlage "regenerieren" (soll bis zu 12 Min. dauern) ...


Uebrigens - die Karre hat andauernd fiese Toene von sich gegeben (Kompressor Wasserabscheider ?)
und Reku gab's da auch keine ...
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von Snuups » 11. Mai 2017, 01:48

Naja, der Sinn vom Wasserstoff im Auto wurde ja schon erschöpfend diskutiert. Für PKW ist der Zug längst abgefahren. Aber es kann durchaus sinnvolle Anwendungen geben. Deutsche U-Boote sind ja seit langen damit unterwegs.
Liebe Grüsse
Snuups
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von Sucseeker » 11. Mai 2017, 05:48

alupo hat geschrieben:............Auch die Einspeisung ins Erdgasnetz geht nicht denn auch H2-produzierende Anlagen vertragen keinen Wasserstoff als Rohstoff. Wer soll die Milliarden für die Umstellung vorhandener Anlagen bezahlen wenn aus dem Erdgasnetz plötzlich ein anderes Gemisch herauskommt. Der Erdgaskonsum z.B. für Ammionakanlagen ist riesig (sie vertragen keinen H2 im Rohstoff obwohl sie selbst zu ca. 80%-90% nur eine H2-Anlage sind) und daraus wird nicht nur Dünger hergestellt..........

Die Einspeisung in das Erdgasnetz wird aber praktiziert. Ist aber nur zulässig in einem bestimmten Prozentbereich und dann unproblematisch für die Verbraucher.

Z.B. Greenpeace-Energy speist H2 in das Erdgasnetz ein: https://www.greenpeace-energy.de/privat ... etail.html

Grüße SuCseeker
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von DL1SCI » 11. Mai 2017, 09:09

In Sindelfingen an der Shell in der Neckarstrasse geht wohl nächste Woche auch eine H-Tankstelle in Betrieb. Ist fast fertig. Im Vergleich zu einer E-Tankstelle verbraucht die ja irre viel Platz. Bin gespannt wieviel Autos die gleichzeitig befüllen werden können.
 
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Re: In Bad Rappenau entsteht eine Wasserstoff Tankstelle

von Oberfranke » 11. Mai 2017, 15:09

Sucseeker hat geschrieben:
alupo hat geschrieben:............Auch die Einspeisung ins Erdgasnetz geht nicht denn auch H2-produzierende Anlagen vertragen keinen Wasserstoff als Rohstoff. Wer soll die Milliarden für die Umstellung vorhandener Anlagen bezahlen wenn aus dem Erdgasnetz plötzlich ein anderes Gemisch herauskommt. Der Erdgaskonsum z.B. für Ammionakanlagen ist riesig (sie vertragen keinen H2 im Rohstoff obwohl sie selbst zu ca. 80%-90% nur eine H2-Anlage sind) und daraus wird nicht nur Dünger hergestellt..........

Die Einspeisung in das Erdgasnetz wird aber praktiziert. Ist aber nur zulässig in einem bestimmten Prozentbereich und dann unproblematisch für die Verbraucher.

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Grüße SuCseeker


Richtig, bis zu 5-7% Wasserstoff kann man dem Erdgas wohl beimischen. Darüber hinaus geht es dann mit Methanisierung, dann in quasi unbegrenzter Menge. Kostet leider wieder Energie.

Oliver
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