Powerwall - Jetzt oder Später?

Informationen zum Tesla Hausakku...

Powerwall - Jetzt oder Später?

von Saftwerk » 17. Mai 2015, 16:45

Powerwall hin oder her, obwohl ich reserviert habe ich bin eigentlich der Meinung, dass es im Gesamtnetz noch zu früh für Akkus ist. Vermutlich will man damit nur seinen Eigenverbrauch (=Geldbeutel) maximieren, der dann auch sicher Grün ist, aber wenn ich den PV-Strom einspeise, dann ist doch wieder ein bisschen mehr Grüner Strom im Netz.

:arrow: Ist es denn für die Gemeinschaft von Vorteil, dass ich meinen grünen Strom nicht mehr hergebe und meine eigenen Spitzen oder Nachtstrom aus dem Akku decke :?:

So eine Li-Akku hat doch auch Verluste, die ich sonst nicht hätte. Da investiert man in ne Menge Steckdosenleisten mit Schalter, um überall den Standbyverbrauch zu killen und im Gegenzug frisst der Akku ein Vielfaches wieder auf. 250Zyk/a*7kWh*15% = 262kWh/a sind ~10% eines Haushaltes.

Wenn man weiterdenkt, glättet ein Akku nur die Peaks im Netz (siehe auch Projekt Schwarmdirigent) und der Netzausbau verschiebt sich auf später und die trägen Braunkohlekraftwerke fahren wieder mehr Grundlast. Das will ich nicht.

Ein Schwarmdirigent ist mMn eine zweischneidige Sache:
Gut : Wenn zuviel/zuwenig Strom im Netz ist kann der Akku stabilisierend helfen.
Schlecht: Ein System mit einer (angreifbaren) Kommunikationszentrale war noch nie gut
Das Netz muss sich selbst stabilisieren können (fail Safe)
Zur Zeit gibt es die größten Netzschwankungen Nachts beim Stundenwechsel, also würde ich dann Kohlestrom speichern?
Ein Akku kann die volle Leistung als Primärregelleistung anbieten. Die großen Kraftwerke können nur etwa 10%. Also würde der Akku den großen ein weiteres Geschäftsfeld langsam wegnehmen.

Ich bin nun etwas verunsichert, ob ein Akku die Energiewende *heute* weiterbringt oder nicht.
Ist er nur was für Egoisten oder bringt mein Akku auch allen was?
Vielleicht findet jemand *das* gute Argument, dass ich wieder gut schlafen kann :|
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat 2008 in einem Grundsatzurteil entschieden: Es gibt ein einklagbares Recht auf saubere Luft.
Benutzeravatar
 
Beiträge: 1867
Registriert: 26. Aug 2012, 18:27

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von SRAM » 17. Mai 2015, 16:52

Saftwerk hat geschrieben:Powerwall hin oder her, obwohl ich reserviert habe ich bin eigentlich der Meinung, dass es im Gesamtnetz noch zu früh für Akkus ist. Vermutlich will man damit nur seinen Eigenverbrauch (=Geldbeutel) maximieren, der dann auch sicher Grün ist, aber wenn ich den PV-Strom einspeise, dann ist doch wieder ein bisschen mehr Grüner Strom im Netz.

:arrow: Ist es denn für die Gemeinschaft von Vorteil, dass ich meinen grünen Strom nicht mehr hergebe und meine eigenen Spitzen oder Nachtstrom aus dem Akku decke :?:



Ja: ist es. Aber aus Gründen, die dir nicht gefallen werden:

- die Gemeinschaft muß weniger EEG bezahlen
- die konventionellen Kraftwerke können wieder besser planen
- der (mittlere !) Börsenstrompreis wird wieder geringer


Gruß SRAM
C5 Exclusive / Alfa Romeo Montreal / SLK 230 Kompressor

https://www.youtube.com/watch?v=neNfmYN6N08
Benutzeravatar
 
Beiträge: 1519
Registriert: 28. Dez 2013, 11:41

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von einstern » 17. Mai 2015, 17:14

Ein ganz profanes Argument:
SolarEdge will Ende 2015 eine Anbindung bringen.
Ich habe SolarEdge WR. Ich warte also erstmal ab, wie diese Lösung aussieht,
2014 : PV 50 kWp -- 2015 : S85D -- 2016 : 22kW Typ2 -- 2016 : Bankirai PV
-- Elektrisch - So läuft das hier !
Benutzeravatar
 
Beiträge: 3882
Registriert: 16. Okt 2014, 16:54
Wohnort: Korbach

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von Dornfelder10 » 17. Mai 2015, 17:29

Saftwerk hat geschrieben: Ist es denn für die Gemeinschaft von Vorteil, dass ich meinen grünen Strom nicht mehr hergebe und meine eigenen Spitzen oder Nachtstrom aus dem Akku decke :?:.............................
Ich bin nun etwas verunsichert, ob ein Akku die Energiewende *heute* weiterbringt oder nicht.
Ist er nur was für Egoisten oder bringt mein Akku auch allen was?
Vielleicht findet jemand *das* gute Argument, dass ich wieder gut schlafen kann :|


Servus Saftwerk,

diese Frage beantworte ich eindeutig mit "Ja!" Die Investition in die Powerwall bringt die Energiewende weiter. Hauptargument ist, dass sich jeder Markt und jedes technische System entwickeln muss. Das geht nicht von heute auf morgen sondern benötigt Zeit. Eine PW die jetzt ans Netz geht wid von den tatsächlichen Auswirkungen auf das Stromnetz vernachlässigbar sein. Auch ein par 1000 davon machen das Kraut nicht fett. Was aber unbezahlbar ist, ist die Entwicklung und der Erfahrungsschatz der dadurch gewonnen wird. Wie bei der Photovoltaik - Anlagen aus z.B. dem Jahr 2004 haben auf die Stromversorgung praktisch keinen Einfluss gehabt, aber Sie haben die Lawine angeschoben.
Auch bei der Powerwall ist noch jede Menge Entwicklung nötig - sowohl am Produkt selbst als auch am Umfeld (Integration ins Netz, Integration in den Regelenergiemerkt....).
Die Speicherbesitzer von heute übernehmen die selbe Pionierrolle wie die PV-Besitzer vor 20 Jahren.

Gruß

Bernhard
 
Beiträge: 768
Registriert: 25. Aug 2014, 21:37

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von volker » 18. Mai 2015, 14:11

Meine Antwort: Auf jeden Fall nicht jetzt. Später vielleicht, eher nie.

Ich habe Geld in ein Passivhaus, in PV und in ein E-Auto gesteckt. Häusern und Autos brauchen keinen Auspuff!
Der nächste Baustein der Energiewende sind Speicher, richtig. Haushalte verbrauchen aber nur 25% des elektrischen Stroms.

Zudem muss ein Speicher nahe an der Erzeugung sitzen. Nur kurze Leitungen können die erforderlichen Leistungen zum Speicher transportieren. Wir reden hier über 300GW PV-Leistung in Deutschland bis 2030, aktuell sind es 38GW.

Speicher müssen m.E. von den Energieerzeugern und Netzbetreibern errichtet werden. Das werden die auch tun, sobald es sich rechnet: Jetzt schon im Einzelfall als Alternative zu einem Netzausbau, zukünftig als Ersatz für Regelenergie aus fossilen Kraftwerken der Must-Run-Reserve.

Ich mache liebe Tesla Model S+X+III bekannt wo ich kann. Deren Absatz sorgt für billige Batterien und stellt den cash flow, mit dem Tesla die stationären Speichereinheiten auf den Markt bringen wird.
Autos und Häuser brauchen keinen Auspuff.
Benutzeravatar
Moderator
 
Beiträge: 8801
Registriert: 26. Apr 2012, 13:06
Wohnort: Ehningen b. Böblingen

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von past_petrol » 18. Mai 2015, 14:45

Hallo !

ich würde die Frage umformulieren in JETZT einen Speicher oder später.

Die Powerwall in ihrer aktuellen Spezifikation würde ich mir in DE nicht zulegen. Wie das europäische Produkt dann aussieht, und was Tesla im Laufe der Zeit dann daran noch ändert, ist eine andere Sache. Hier war ja das announcement weitaus wichtiger, als das aktuell konkrete Produkt - finde ich...

Dezentrale Speicher halte ich allerdings im Grundsatz für nicht verkehrt. Würde das ab jetzt jeder machen, so würde wir eine dramatische Entlastung der Netze sehen, mit auch gänzlich anderen Möglichkeiten in der Netzgestaltung.

Ich würde mir einen gesunden und intelligenten Mix aus dezentralen (in privater Hand) und zentralen Speichern (Versorger) wünschen.

Meine "Vogelforschung" hat bisher ergeben, daß sich Speicher im privaten Bereich nur absolut selten aktuell rechnen - betriebswirtschaftlich ! Ökologisch ist das ne ganz andere Sache. Wenn man danach strebt, soviel Energie, wie es nur geht selber herzustellen und auch zu verbrauchen, dann kann man ganz in Ruhe jetzt schon einen Speicher bauen - warum nicht. Sinn macht das natürlich - kann man sich ganz einfach die Daten seiner eigenen PV-Anlage ansehen und den Speicher dann auf den Haushalt und die Anlage ausrichten.

Man wird technisch und ökologisch daran ganz sicher seinen Spaß haben - betriebswirtschaftlich meistens weniger...

Aber hey... wo ist der ROI von "Reiten" oder "Motorradfahren" - habe ich noch nicht gefunden. Wer also Geld über hat und Lust drauf hat, der kann es jederzeit machen.

Unsere Energiewende ist aktuell so planlos, daß es für dezentrale Speicher keine ausreichende Integration in das deutsche Stromnetz gibt - von einigen kleinen Initiativen (Schwarmstrom) abgesehen. Es wird also vorerst ein privates Vergnügen bleiben.

Aus diesem Grund haben wir auch den mobilen 85kWh Speicher in ansprechender Optik vorgezogen. Aktuell halte ich das für das beste Konzept in puncto Speicher - PV & E-Auto - das ergibt jetzt schon Sinn und später auch !
S85D, seit 03/2015
ZOE intens Z.E. 40, seit 03/2017
PV 10,494 kWp
KEBA P30-Cluster, Lokales Lastmanagement
digitalStrom
Benutzeravatar
 
Beiträge: 2974
Registriert: 11. Nov 2014, 10:17

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von volker » 18. Mai 2015, 14:52

Du kommst zum gleichen Fazit: Speicher jetzt, aber fahrbar! :D
Autos und Häuser brauchen keinen Auspuff.
Benutzeravatar
Moderator
 
Beiträge: 8801
Registriert: 26. Apr 2012, 13:06
Wohnort: Ehningen b. Böblingen

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von Dornfelder10 » 18. Mai 2015, 18:12

volker hat geschrieben:Haushalte verbrauchen aber nur 25% des elektrischen Stroms.

"nur 25%" ist doch mehr als genug. Dies Menge kann man doch nicht vernachlässigen.

volker hat geschrieben:Zudem muss ein Speicher nahe an der Erzeugung sitzen...........

Richtig. Geht es kürzer als vom Dach in den Keller? Passt doch perfekt für Heimspeicher.

volker hat geschrieben:Speicher müssen m.E. von den Energieerzeugern und Netzbetreibern errichtet werden.

Richtig. Und Saftwerk ist ein Energieerzeuger. Zumindest interpretiere ich das so dass er eine PV besitzt die er mit der PW koppeln möchte. Energieerzeuger wie die G4 wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Photovoltaik muss aus der EEG-Komfortzone raus und selbst Systemverantwortung übernehmen.

volker hat geschrieben:Das werden die auch tun, sobald es sich rechnet: Jetzt schon im Einzelfall als Alternative zu einem Netzausbau, zukünftig als Ersatz für Regelenergie aus fossilen Kraftwerken der Must-Run-Reserve.

Genau da liegt das Problem: "Sobald es sich rechnet". Ein zentraler Speicher kann einen Preishub von bestenfalls 5 Cent/kWh ausnutzen. Bei einem dezentralen Heimspeicher sind es >10 Cent bei einer EEG-Anlage und >25 Cent bei einer Nicht-EEG-Anlage. Der Regelenergiemarkt als Schwarmspeicher ist alternativ oder sogar zusätzlich möglich.

volker hat geschrieben:Ich mache liebe Tesla Model S+X+III bekannt wo ich kann. Deren Absatz sorgt für billige Batterien und stellt den cash flow, mit dem Tesla die stationären Speichereinheiten auf den Markt bringen wird.

Zwischen E-mobil und Heimspeicher gibt es sicherlich Synergien, aber das eine wird das andere nicht vollständig ersetzen. Tesla setzt für die zyklenfeste Wallbox (7kWh) eine andere Zellchemie ein als im KFZ. Für den Aufbau der Vertriebsstruktur und für die Netzintegration bringt ein verkauftes EV auch nix. Ich würde nicht darauf wetten das der Cashflow im KFZ-Geschäft größer ist als beim Speichergeschäft.

Ich gehe davon aus dass in Zukunft bei jeder Eigenheim-PV-Anlage standardmäßig ein (Schwarm-)Speicher mit dabei ist.

Gruß

Bernhard
 
Beiträge: 768
Registriert: 25. Aug 2014, 21:37

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von kassiopeia » 24. Mai 2015, 14:29

Das Thema ist vielschichtig => es kommt darauf an...

Vor Jahren habe ich in Photovoltaikforum infrage gestellt, ob es oekologisch sinnvoll ist einen Speicher zu betreiben.
Zu dem Zeitpunkt wurden fast nur Bleispeicher verbaut, lithiumbasierte Speicher waren einfach zu teuer.

Ich denke oekologisch sinnvoll kann es erst werden, wenn die Herstellung der Speicher umweltvertraeglich ist, also sowohl aus der Sicht der Rohstoffgewinnung als auch von der Art der eingesetzten Energie. Denn davon braucht man sehr viel.
Was hilft der Akku, wenn zu dessen Herstellung die Umwelt schon stark belastet wird. Das ist dann nur schwer rauszuholen.

Da sehe ich erst mit der Gigafactory den Wendepunkt, die ja die benoetigte Energie erstmals regenerativ erzeugen wird.
Zuletzt geändert von kassiopeia am 24. Mai 2015, 14:46, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
 
Beiträge: 770
Registriert: 18. Jan 2014, 01:20

Re: Powerwall - Jetzt oder Später?

von einstern » 24. Mai 2015, 14:36

kassiopeia hat geschrieben:Da sehe ich erst mit der Gigafactory den Wendepunkt, die ja die benoetigte Energie erstmals regenerativ erzeugen wird.

Ein interessanter Punkt.
Und er nimmt genau denjenigen den Wind aus den Segeln, die schon den Herstellungsprozess als Malus einer Idee bewerten.
Die vielen Solarelemente auf der Gigafabrik sind schon ein deutliches Zeichen.
2014 : PV 50 kWp -- 2015 : S85D -- 2016 : 22kW Typ2 -- 2016 : Bankirai PV
-- Elektrisch - So läuft das hier !
Benutzeravatar
 
Beiträge: 3882
Registriert: 16. Okt 2014, 16:54
Wohnort: Korbach

Nächste

Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Sven@Tesla und 1 Gast