Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetzt?

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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von hiTCH-HiKER » 12. Dez 2017, 11:36

Es geht hier um eine Hand voll giftgasverseuchter Innenstädte, wo weit über die Hälfte der Anwohner eh kein eigenes Fahrzeug besitzt und nicht um flächendeckende Verbote von irgendeiner Fahrzeugklasse. Kein Mensch will einem Landei verbieten sein Diesel-Fahrzeug in seiner gewohnten Umgebung voll auszukosten.
Und natürlich lässt sich sowas in München durchsetzen, ohne dass dies der Stadtregierung Schaden zufügt. Wenn die Gerichte die Luftreinhaltung erzwingen müssen, dann wirft eher das ein schlechtes Licht auf diejenigen, in deren Verantwortung das Thema steht.

Ich bin allerdings ebenfalls der Meinung, dass es ohne Fahrverbote hätte gehen können, wenn man vor Jahren schon konsequent den Radlverkehr und ÖPNV gefördert hätte, sowie den Herstellern wesentlich früher mit etwas Weitsicht auf die Finger geklopft hätte. Da aber eher das Gegenteil geschehen ist, gerade in München war Radfahren und die ÖPNV-Nutzung noch nie so unattraktiv wie heute und das KBA hat nur die Quartalsgewinne der Unternehmen im Fokus gehabt, wird es ohne gravierende Innenstadt-Fahrverbote gar nicht mehr gehen.

Tatsächlich wird wohl eher die Erzwingungshaft für die Verantwortlichen in der bayerischen Landesregierung kommen, als dass die mal ihren Hintern hochbekommen und Dinge umsetzen!

Und dass man selbst ausnahmslose und bundesweite Fahrverbote problemlos umsetzen und gut kontrollieren kann, das wurde doch hierzulande schon bewiesen:
https://www.n-tv.de/politik/dossier/Deu ... 05647.html

Nochmal, hier geht es "lediglich" um das Zentrum von ein paar deutschen Großstädten, wo Menschen weiterhin gerne unbehelligt leben möchten und zwar jetzt sofort und nicht erst in einigen Jahren. Es geht nicht um ein deutschlandweites Verbot von Diesel-Fahrzeugen!
 
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von M3-75 » 12. Dez 2017, 11:43

Das finde ich nun wieder ungerecht, ich lebe in einer Kleinstadt/Dorf wo die Luft nicht besser ist als in Stuttgart, warum sollte ich weiter giftige Gase einatmen müssen und in Stuttgart nicht?

Das Fahrzeug sollte außerhalb des Thermofensters gar nicht erst gestartet werden können.
 
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von cer » 12. Dez 2017, 11:58

@hiTCH-HiKER: Irgendwie hast du mich überzeugt. An diesen Orten gibt's in der Regel einen funktionierenden ÖPNV. Das heißt, dass (fast) niemand durch ein Fahrverbot benachteiligt würde.
Bleibt die Frage nach der konkreten Ausgestaltung eines solchen Verbotes. :?
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von pollux » 12. Dez 2017, 12:00

Auch ich finde es garnicht toll jeden Morgen hinter solchen Stinkkisten herzufahren. Auch nicht auf dem Land. Gerade jetzt ist es besonders schlimm. Es ist kalt. Die Abgasreinigung ist bei Allen über das Thermofenster abgeschaltet und ich muss morgens eine 10 km lange Strecke immer bergauf fahren. Das stinkt gewaltig wenn ein "moderner" Diesel vor mir fährt. Die alten sind nicht so schlimm.

Es muss endlich von der Politik klar und deutlich gesagt werden, dass der Verbrenner und insbesondere der Diesel im PKW tot sind. Dass die Preise für den Kraftstoff steigen werden, dass es Zulassungs- und Fahrbeschränkungen geben wird. In naher Zukunft.

Das schlimme ist doch, dass immer noch Diesel neu gekauft werden. Wir leben hier in einer Filterblase.
Ich war vor 2 Monaten in einem großen VW Autohaus um einen E-Golf zu kaufen. Dort war ich ein absoluter Exot und es wurde alles getan damit ich ihn nicht kaufe.

In meinem Umfeld gibt es zwei Gruppen. Die Einen würden nie mehr einen Diesel kaufen. Das müssen mehr werden.
Die anderen sagen, warum nicht. Ist doch legal und später wegnehmen können die do sowieso nicht. Man hört die bekannten Stammtischsprüche. Die müssen aussterben und inzwischen für ihre Rücksichtslosigkeit bestraft werden.
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von Snuups » 12. Dez 2017, 12:56

cer hat geschrieben:@hiTCH-HiKER: Irgendwie hast du mich überzeugt. An diesen Orten gibt's in der Regel einen funktionierenden ÖPNV. Das heißt, dass (fast) niemand durch ein Fahrverbot benachteiligt würde.
Bleibt die Frage nach der konkreten Ausgestaltung eines solchen Verbotes. :?


Damit sind Geschäfte praktisch am Ende in den Innenstädten. Wer soll da noch hin? Oder denkt ihr ernsthaft jemand schleppt tütenweise oder kartonweise Zeug via ÖNV nach Hause? Aber ja, in Zukunft wird eh alles online gekauft.

pollux hat geschrieben:In meinem Umfeld gibt es zwei Gruppen. Die Einen würden nie mehr einen Diesel kaufen. Das müssen mehr werden.
Die anderen sagen, warum nicht. Ist doch legal und später wegnehmen können die do sowieso nicht. Man hört die bekannten Stammtischsprüche. Die müssen aussterben und inzwischen für ihre Rücksichtslosigkeit bestraft werden.


Wie hier schon erwähnt wurde ist das eine politische Entscheidung. Nicht eine deutsche sondern eine europäische. Wenn sich politisch in die Richtung nichts tut, wird sich auch nichts verändern. Aber es stimmt schon, man kann die Fahrzeuge, welche auf der Straße zugelassen sind nicht einfach verbieten. Solange es keine günstigen Alternativen gibt wird es auch weiterhin Benzin und Dieselfahrzeuge geben. Das Geschrei nach Vergeltung der betrügerischen Firmen hat zwar Hand und Fuß, allerdings hängen daran auch extrem viele Arbeitsplätze. Gerade in Deutschland gilt es diese Jahr zu behalten. Nie waren mehr Menschen erwerbslos als heute in Europa.
Liebe Grüsse
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von egn » 12. Dez 2017, 14:06

Leto hat geschrieben:Fein, lass' die Altfahrzeuge im Lifecycle Management aussterben und erlaube sie weiter bis dahin. Die "Schwindelautos" siehe oben und in Zukunft ebenso, 2025 dann keine Zulassung mehr für Verbrennungsmotoren. Das ist alles Problemlos im Lösungsraum. Wie jemand kürzlich sagte, es bedarf keiner Ingenieurleistung sondern nur dem politischen Willen.


Wenn Du es so formulierst dann bin ich bei Dir. +1
Zuletzt geändert von egn am 12. Dez 2017, 14:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von Spürmeise » 12. Dez 2017, 14:21

Snuups hat geschrieben:Damit sind Geschäfte praktisch am Ende in den Innenstädten. Wer soll da noch hin? Oder denkt ihr ernsthaft jemand schleppt tütenweise oder kartonweise Zeug via ÖNV nach Hause?

Du hast keine Ahnung! Es geht hier nicht um den ÖPNV im Engadin sondern um die Situation der Innenstädte deutscher Großstädte!
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von cer » 12. Dez 2017, 14:28

Snuups hat geschrieben:Damit sind Geschäfte praktisch am Ende in den Innenstädten. Wer soll da noch hin? Oder denkt ihr ernsthaft jemand schleppt tütenweise oder kartonweise Zeug via ÖNV nach Hause? Aber ja, in Zukunft wird eh alles online gekauft.


Also, wenn ich an meine Heimatstadt München denke, dann war das immer so, dass wir zum Wochenendshopping die S-Bahn genommen haben, einfach weil das Parkplatzthema in der Innenstadt so unerquicklich ist. Nur die Leute, die von außerhalb des S-Bahn-Bereiches kommen, nehmen das Auto (und manche sind dann so unvernünftig / bequem / versnobt, dass sie nicht eines der zahlreichen P+R-Angebote nutzen ;) ).
Den Kühlschrank füllt man ohnehin nicht im Stadtzentrum auf, sondern entweder nahe am Wohnort oder in einem Einkaufszentrum (das in der Regel auch *nicht* in der Innenstadt liegt).

Irgendwie scheint diese Diskussion mit der über Fußgängerzonen in den 60er-Jahren verwandt zu sein. Hier wie dort das Fazit: Jeder Zuwachs an Lebensqualität in der Innenstadt nutzt auch dem dort ansässigen Einzelhandel.

Die Geschäfte in den Innenstädten sind aus einem ganz andern Grund am Ende: Sie werden von einer Handvoll internationaler Ketten verdrängt. Aber das ist ein ganz anders Thema und soll ein andermal diskutiert werden.
Zuletzt geändert von cer am 12. Dez 2017, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von JeanSho » 12. Dez 2017, 14:29

Leto hat geschrieben:Ich verstehe die Diskussion nicht. Termin setzen, Fahrverbot nach realem Schadstoffausstoß. Betroffene Fahrzeuge bekommen keine Umweltplakette bzw. diese entzogen zum Stichtag. Hersteller die falsche Angaben zu realen Schadstoffen gemacht haben werden verpflichtet die Kosten von Fahrverboten die darauf beruhen zu übernehmen, durch Umrüsten oder Fahrzeugtausch. Fertig die Laube. Nur das rauf- und runter Diskutieren bringt nix.


Genau so! Kein rumgeeiere sondern Leto-Maßnahmen. Keine Ironie. Volle Zustimmung
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Re: Wie würde idealerweise ein Diesel-Fahrverbot durchgesetz

von hiTCH-HiKER » 12. Dez 2017, 14:53

Snuups hat geschrieben:Damit sind Geschäfte praktisch am Ende in den Innenstädten. Wer soll da noch hin? Oder denkt ihr ernsthaft jemand schleppt tütenweise oder kartonweise Zeug via ÖNV nach Hause? Aber ja, in Zukunft wird eh alles online gekauft.


Sorry, aber das ist nun wirklich völliger Quatsch, auf Basis welcher Fakten kommst du auf sowas?
In München in der Fußgängerzone gibt es sogar einen Saturn mit vielen Großgeräten und da sind weit und breit weder Parkplätze noch ein Bedarf für individuellen Autoverkehr. Die überwiegende Mehrheit kommt hier mit U- und S-Bahnen, einige mit dem Radl und ein paar seltene Exoten kämpfen sich tatsächlich durch die engen Straßen und stehen Schlange vor den wenigen Parkhäusern, die aber meist weiter entfernt sind als die nächste Bahnstation und somit unpraktisch.
Was man nicht in die Tüte reinbekommt, das wird halt dann nach Hause geliefert und wenn man den 75-Zoll-Fernseher unbedingt in den Kofferraum packen möchte, dann gibt es außerhalb der Innenstadt genügend andere Filialen und große Einkaufszentren.
Ganz im Gegenteil, die Münchner Händler wünschen sich eine Ausweitung der Fußgängerzonen, im Tal haben sie gar erfolglos für eine vollständige Verkehrsberuhigung gekämpft, denn erst dann rollt der Rubel so richtig.
Wer hat schon Bock auf einer Straße zu flanieren, die von lärmenden Abgasmobilen flankiert wird?

Hier wird ein Problem herbei geredet, das für die Betroffenen gar keines ist, oft auch noch von Leuten die nichtmal im Zentrum der Großstadt leben oder einkaufen.
 
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