Erneuerbare Energien allgemein

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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von Südstromer MS85 » 8. Jan 2018, 19:50

Eine blöde Frage am Rande. Wie erkennt das Stromnetz, das eben noch voller Kohle- Atomstrom war, den ganzen Ökostrom und regelt dann den exakten Export? Weil jemand meinte es würde "keine einzige kWh Ökostrom ins Ausland" gehen! Nur dummer Strom würde ins Ausland gelangen. Bitte um Belege/Hinweise/Leselinks. Besten Dank.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von tripleP » 8. Jan 2018, 19:59

Südstromer MS85 hat geschrieben:Eine blöde Frage am Rande. Wie erkennt das Stromnetz, das eben noch voller Kohle- Atomstrom war, den ganzen Ökostrom und regelt dann den exakten Export? Weil jemand meinte es würde "keine einzige kWh Ökostrom ins Ausland" gehen! Nur dummer Strom würde ins Ausland gelangen. Bitte um Belege/Hinweise/Leselinks. Besten Dank.


Natürlich ist es immer ein "Stromsee". Also einen Mix aus allem was gerade erzeugt.

Ist aber z.Bsp. 110% Energie im Netz, also 10% zu viel = Export. Das wird in echt natürlich der Stromsee sein.
ABER: Die 10% zu viel sind nur zu viel, weil die konventionellen Kraftwerke (Kohle, Atom) einfach weiterlaufen, anstatt runter zu regeln. Deshalb die "Annahme", es wird Kohle+Atom exportiert. Klar könnte man nun sagen, es seien die Erneuerbaren, aber die haben Vorrang und diese sind gewollt (EEG) und die sind nie über 100%. Deshalb kann es nicht sein, dass EE's zu viel sind.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von Elektroniker » 8. Jan 2018, 20:22

Eben. Das ist eine rein kaufmännische Betrachtung. Es geht ja um den Strommarkt.

Den EE ist gesetzlich Vorrang eingeräumt. EE-Strom ist also zuerst im Netz und wird quasi zwangsweise zuerst verkauft, der Restbedarf (Residuallast) wird dann aus konv. Kraftwerken "freiwillig" angeboten und gedeckt.

Solange weniger EE-Strom erzeugt wird, als innerdeutscher Strombedarf aufbraucht, ergibt sich eine positive Residuallast. Diese wird auf dem Strommarkt von konv. Kraftwerken befriedigt. Alles was dann die konv. Kraftwerke darüber hinaus am Strommarkt anbieten, geht logischerweise dann in den Export.

Erst wenn die Residuallast negativ wird - am 1.1.2018 war es angeblich zum ersten Mal in den Morgenstunden (fast) so weit - kann man davon sprechen, dass EE-Strom exportiert wird. Aber das muss dann auch noch nicht unbedingt zu negativen Preisen führen. Diese ergeben sich erst, wenn das Stromangebot so stark überhöht ist, dass trotz Export nicht genügend Abhnehmer für den Strom zu finden sind, solange der Strom noch was kostet.
Das Problem ist, dass die BKKW und AKW so niedrige Brennstoffkosten und so hohe Stillstands-, Abfahr- und Anfahrkosten haben, dass es sich für diese eher lohnt, einige Stunden negative Preise "zu ertragen", als für wenige Stunden oder einen Tag ganz vom Netz zu gehen. Hinzu kommt, dass einige konv. Kraftwerke auch Wärme liefern müssen (KWK), und sich schon deshalb ein komplettes Abschalten mehr oder weniger verbietet. Das hier schon angesprochene hohe prod_min von rund 20 GW an konv. Leistung ist zum weit überwiegenden Teil solchen wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet, und keinen netztechnischen. Wie hier schon verlinkt wurde, wird die netztechnische prod_min irgendwo bei 3-5 GW angesiedelt. Und auch das kann man technisch gesehen in Zukunft auf 0 GW reduzieren.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von OS Electric Drive » 8. Jan 2018, 20:57

Südstromer MS85 hat geschrieben:Eine blöde Frage am Rande. Wie erkennt das Stromnetz, das eben noch voller Kohle- Atomstrom war, den ganzen Ökostrom und regelt dann den exakten Export? Weil jemand meinte es würde "keine einzige kWh Ökostrom ins Ausland" gehen! Nur dummer Strom würde ins Ausland gelangen. Bitte um Belege/Hinweise/Leselinks. Besten Dank.



Ich glaube das haben Dir jetzt zig Leute zigfach erklärt. Wenn man etwas nicht verstehen will, hilft auch die beste Erklärung nichts...

Wir haben im dt. Striommarkt eben einen Vorrang für EEs das bedeutet, dass alle anderen Kraftwerke diesem Angebot folgen müssen. Die EEs verringern sozusagen die Nachfrage nach Strom bis fast Null. Somit kann es einfach kein Überschuss an EE Strom geben ganz einfach solange das Angebot an EEs kleiner ist als die Nachfrage.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von Bones » 8. Jan 2018, 21:06

Danke Elektroniker für dieausführliche Erklärung.

Und wenn man will, geht es auch mal plakativ ganz anders herum:

Erneuerbare Energien sparten deutschen Stromverbrauchern im Jahr 2013 ganze 11,2 Milliarden Euro
Eine Summe von insgesamt 11,2 Milliarden Euro haben Deutschlands Stromverbraucher im Jahr 2013 gespart, weil in großem Umfang Erneuerbare Energien ins Stromnetz eingespeist wurden.

Das im Hinblick auf das Ausmaß der Einsparungen überraschende Ergebnis zeigt, dass die Strompreissteigerungen in den vergangenen Jahren ohne eine Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik sogar noch deutlich höher ausgefallen wären als die aktuell diskutierten Strompreissteigerungen in Folge des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG).

Dem gegenüber wirkten sich der Ausbau Erneuerbarer Energien und das daraus resultierende Überangebot an den Strommärkten sogar erheblich preismindernd aus.

Ein stabiler Netzbetrieb konnte in diesen Situationen allerdings nur durch die Einspeisung Erneuerbarer Energien sicher gewährleistet werden.

Erneuerbare Energien erhöhen vor dem Hintergrund reduzierter konventioneller und nuklearer Kraftwerkskapazitäten auch die Versorgungssicherheit am bundesdeutschen Strommarkt.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von Elektroniker » 8. Jan 2018, 21:18

Bones hat geschrieben:Erneuerbare Energien erhöhen vor dem Hintergrund reduzierter konventioneller und nuklearer Kraftwerkskapazitäten auch die Versorgungssicherheit am bundesdeutschen Strommarkt.

Naj, diese Aussage zäumt nun aber das Pferd von hinten auf! :lol:

Es ist ja schon so, dass weniger konv. Kraftwerke da sind, weil man auf EE umsteigt und sich der Neubau von konv. Kraftwerken nicht mehr lohnt. Es gibt da etliche Baupläne, die wegen des zunehmenden EE-Stroms gecancelt oder auf Eis gelegt wurden.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von SLAM » 9. Jan 2018, 13:23

Hier mal das Ergebnis von ein bisschen data digging für das vergangene Jahr 2017 Deutschland gesamt:

Bild

- die Erzeugungsgradienten der EE sind im wesentlichen symmetrisch, bezogen auf absolute Differenzen
- die auf die volle Stunde bezogenen Gradienten sind für eine 15 Minuten Scheibe deutlich größer als für eine 2 Stunden-Scheibe
- die Stundengradienten in % der augenblicklichen Einspeiseleistung sind heftig

Ich denke gerne in Großkraftwerken:

- der 15 Minuten Gradient entspricht im Extremfall dem Ausfall / Zuschalten von bis zu 2 Großkraftwerken
- der 2 Stunden Gradient entspricht im Extremfall dem Ausfall / Zuschalten von bis zu 11 (!) Großkraftwerken

Das ist.... sagen wir mal eine nichttriviale Regelaufgabe ;)

Gruß SLAM

(Daten: ENTSOE)
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von Bones » 9. Jan 2018, 14:32

Ich gehe mal davon aus, Du meinst als Quelle: ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity) ist ein strategischer Zusammenschluss von verschiedenen Übertragungsnetzbetreibern in Europa. Der Verband hat sich die Förderung eines einheitlichen europäischen Strommarkts zum Ziel gesetzt.

Denn damit kann man den Ursprung der Daten und die Absichten der Übertragungsnetzbetreiber damit besser einschätzen.
Den Rest kann sich jeder selbst dazu denken.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von OS Electric Drive » 9. Jan 2018, 14:46

gelöscht, falscher Faden.
Zuletzt geändert von OS Electric Drive am 9. Jan 2018, 15:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erneuerbare Energien allgemein

von egn » 9. Jan 2018, 15:11

SLAM hat geschrieben:- die Erzeugungsgradienten der EE sind im wesentlichen symmetrisch, bezogen auf absolute Differenzen
- die auf die volle Stunde bezogenen Gradienten sind für eine 15 Minuten Scheibe deutlich größer als für eine 2 Stunden-Scheibe
- die Stundengradienten in % der augenblicklichen Einspeiseleistung sind heftig


Nachdem sich die Prognosedifferenz im Day-Ahead Markt als Nichtproblem herausgestellt hat kommst Du jetzt mit den Erzeugungsgradienten als potentielles Problem hinter dem Ofen hervor. :roll:

Dabei gilt hier genau das Gleiche wie beim Prognosefehler. Sie wirken sich bisher nicht negativ auf die Netzstabilität aus, weil im Markt bei ausreichend Verbrauch genügend flexible Kapazität vorhanden ist.

Es werden ja auch nicht plötzlich alle Kraftwerke komplett an/abgefahren sondern viele Kraftwerke laufen auf Teillast und gehen nach Fahrplan gestaffelt auf Volllast und wieder zurück auf Teillast. Zudem wirkt sich ein hoher Erzeugungsgradient nicht unbedingt auf die Residuallast aus, wenn wie bei PV und dem täglichen Lastprofil die Entwicklung nahezu synchron ist. Das hat eben im Markt die ganzen Spitzenkraftwerke (Gas, Öl und Pumpspeicher) in erhebliche Schwierigkeiten gebracht.

Und auch hier taugt der Regelenergiemarkt als Beweis dafür dass zumindest bisher der Erzeugungsgradient der EE keinerlei Auswirkung auf die Netzstabilität hat. Im Gegenteil, man kann an den Netzfrequenzrastern sehen dass gerade wenn EE einen hohen Anteil an der Erzeugung hat, die Frequenzabweichungen am geringsten sind.

Ich bin gespannt was Du als nächstes als Scheinproblem hoch stilisierst. :roll:
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