Kretschmann und die eMobilität

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Re: Kretschmann und die eMobilität

von Kalocube » 3. Jul 2017, 15:38

Bones hat geschrieben:Aber wenn man immer das Maximum für alle annimmt geht das an der Mehrheit vorbei.
Das ist weder zielführend noch hilfreich.


Wenn wir 2-3 Mal im Jahr (Kurz-)Urlaubsfahrten mit der Familie mit dem Auto machen, hätte ich auch gerne den Platz eines VW Busses (oder ähnliches), fahre aber trotzdem keinen! - Dass viele Leute Ihre Anforderung an die Reichweite eines BEVs an vermutlich einer einzigen (Sommer-)Urlaubsfahrt festmachen, die sie dann unbedingt am Stück ohne Pausen machen müssen, ergibt sich mir nicht wirklich... :?
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von cer » 3. Jul 2017, 15:49

Die ganze erregte Prinzipienreiterei hat ihre Ursache darin, dass wir immer noch glauben, alles müsste für alle funktionieren. (Und das scheint mir eine durch und durch deutsche Idee zu sein.)

Jeder kann eine einfache Bedarfsanalyse machen, indem er mal aufschreibt, was er wann wieviel fährt. Das Ergebnis kann er noch bewerten, indem er es anhand gewisser Werte (Umweltschonung, Ressourcen) gewichtet. Wenn ich ein- oder zwei Mal im Jahr 1500 km fahre, dann brauche ich eben nicht jeden Tag ein Auto, das dafür geeignet ist.

Mit etwas Marktkenntnis kann dann jeder für sich eine individuell optimale Lösung finden. Vielleicht ist das ein Tesla, vielleicht auch nicht.

Für mich war bisher die Lösung A2 für die Langstrecke / Twizy für den Arbeitsweg optimal, aber 1. ist der A2 ein Verbrenner, 2. kostet die Erhaltung eines 15 Jahre alten Autos unangemessen viel Geld und 3. zwingt mich der Twizy, auch kleinere Touren mit dem Audi zu fahren, die ich eigentlich lieber elektrisch fahren würde. Daher die Blindresevierung des Model 3. Die angekündigten Produkteigenschaften, sowie die Tatsache, dass das ein Tesla ist, waren ausreichend um keine weitern Fragen zu stellen.

Wenn jeder diese Selbstbeobachtung und Bewertung nüchtern (aber durchaus mit Leidenschaft) durchführen würde, dann gäbe es für die Meisten ein eindeutiges Ergebnis.

Wer zwei Mal in der Woche mit 200 km/h ohne Halt von Nürnberg nach Leipzig brettern zu müssen glaubt, der sollte nicht anderen, die das nicht tun, erzählen, ein Fahrzeug, das das nicht könne, sei Mist. Es ist für ihn Mist, aber auch nur, weil er es so will.

Ähnliches gilt umgekehrt.

Der Staat kann und soll dabei intelligente Anreize schaffen, das Richtige zu tun. Neue Entwicklungen zu bremsen, ist jedoch nicht seine Aufgabe.
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von Bones » 3. Jul 2017, 15:55

Genau darauf wollte ich hinaus. Und genau das scheint einfach bei vielen auch das Problem zu sein.
Auf der anderen Seite muss man aber halt auch sagen, wir alle kennen es seit Jahren, es funktioniert,
es ist problemlos, schnell umsetzbar und einfach.
Sich jetzt umzustellen, und auf Bequemlichkeit(en) zu verzichten, ist halt ein Hindernis - da muss jeder ehrlich zu sich selbst sein.

Aber mitnichten ist es so ein Drama, wie es von (zu) vielen dargestellt wird. Nur bleibt eben genau das hängen.
Die vielen Vorteile werden durch einige wenige Nachteile völlig ausgeblendet. Und die sind dann noch allgegenwärtig und verfestigen den IST-Zustand.
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von OS Electric Drive » 3. Jul 2017, 16:36

Bones hat geschrieben:
Warum die Zulassungszahlen für BEV`s nicht durch die Decke gehen, weißt Du doch selbst.


Ja weil zu wenig Akku. Erst ab 60kWh geht es los...
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von OS Electric Drive » 3. Jul 2017, 16:50

Bones hat geschrieben:Genau darauf wollte ich hinaus. Und genau das scheint einfach bei vielen auch das Problem zu sein.
Auf der anderen Seite muss man aber halt auch sagen, wir alle kennen es seit Jahren, es funktioniert,
es ist problemlos, schnell umsetzbar und einfach.
Sich jetzt umzustellen, und auf Bequemlichkeit(en) zu verzichten, ist halt ein Hindernis - da muss jeder ehrlich zu sich selbst sein.

Aber mitnichten ist es so ein Drama, wie es von (zu) vielen dargestellt wird. Nur bleibt eben genau das hängen.
Die vielen Vorteile werden durch einige wenige Nachteile völlig ausgeblendet. Und die sind dann noch allgegenwärtig und verfestigen den IST-Zustand.


Da bin ich komplett anderer Meinung. Ich behaupte dass ein Tesla 100D die Erwartungen an die meisten Autofahrer erfüllt. Für viele wird auch das noch zu wenig sein. Und warum bauen sich Menschen ein Haus um drei Stunden am Tag drin zu sein? Da reichen auch 40m2 im Mehrfamillien Haus... manche basteln sich wohl alles zurecht... ich denke die Zahlen sprechen für sich...
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von Cupra » 3. Jul 2017, 19:06

Mal wieder einer aus der "Klein-Akku-Fraktion" :D Die ganze Durchschnittsache ist für die Tonne. Damit können irgendwelche Diplomexperten tolle Statistiken draus machen, was passiert wenn man einem aus dem Planungsbüro ne Kernbohrmaschine hinstellt und sagt, er soll einfach mal ein Loch machen... genau so kommen mir manche Beiträge vor. Statistiken, Zahlen.. aber von der Praxis unten keinen Plan :(

Ich komme mit meinem Opel im Winter 60km weit, im Sommer fast 100... juhu, das reicht für 90% all meiner Fahrten derzeit aus. Benzin verbrennen will ich nicht wirklich.. ich will elektrisch fahren. Daher kommt der Opel auch weg. Ich hab keinen Bock mehr auf das ewige "jede Ladesäule nutzen müssen", dann kommen die Herren in ihren 100kWh Akku-Autos und jagen die "Schnarchlader" noch weg.. das macht einfach keinen Spass so. Deswegen steht jetzt auch das MS75D bzw. wenns reicht sogar der 100er in der Warteschlange. Ich bin in der seeeehr guten Lage dass ich gut verdiene, meine Frau ebenfalls, wir keine Kinder oder Haustiere haben die wir durchfüttern müssen und auch gesund sind und daher über dieses Thema derzeit überhaupt nachdenken zu müssen. Bei meinen Arbeitskollegen ist das kein Thema weil es schlicht und ergreifend keine Autos gibt die genug Reichweite haben und die sie zahlen könnten bzw. wollten. 300km im Winter ohne Luxuseinbussen, das muss ein E-Auto mindestens bringen, alles darunter ist Zweitwagen oder man ist Masochist.. Manchen hier mag es Spass machen jede Ladestation zu suchen und zu beten.. als Tesla-Fahrer hat man ja noch die Supercharger, die stehen aber 99% aller Autokäufern (nicht Firmenwagen, die sind da mal ausgenommen) nicht zur Verfügung.
Und nein, 3,7kW Schnarchladen reicht nicht wirklich aus. Ich will nicht mein Leben an ein Auto anpassen, das Auto muss zu meinem Leben passen oder es ist das falsche. So einfach ist es. Da hilft auch kein Durchschnittswert wer wie oft wie weit fährt.. Ich geb euch allen mal 1.500 Euro im Monat und erwarte dann dass ihr alles unternehmt um 2020 gefälligst ein Elektroauto zu haben und keinen Verbrenner zu fahren... mal gucken wer es schafft. Zwänge und Verbote werden den E-Auto den Weg nicht ebnen...
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von Adastramos » 3. Jul 2017, 21:46

Was Ladeinfrastruktur betrifft, muss man auch beachten wo welche Ladesäule steht. Auf der Arbeitsstelle und Daheim braucht man im Grunde keine Schnellladesäule, dort steht das private Fahrzeug ohnehin mehrere Stunden.

Daher ist die Anbindung von Schnellladesäulen an den Wegstrecken wichtig und im Gegensatz zu Tankstellen mit sechs bis zehn Säulen, wird es dann eben mehr Ladesäulen an Parkplätzen geben, sicher brauchen wir dafür dann Umspannwerke, um die Leistungen sicher zu stellen ... jedoch muss man u.U. auch an einer Tankstelle gehörig in der Schlange stehen, um an die Zapfsäule zu gelangen. Jeder der an einer Tankstelle mit unheimlich günstigen Preisen tankte, kennt dieses Szenario.
Generell wird die Infrastruktur dezentralisiert werden, da wir von wenigen Tankstellen auf viele Ladestationen übergehen, um möglichst bedarfsgerecht Strom anbieten zu können, ebenso muss man nicht immer vollladen, da an der Destination zumeist eh Strom vorhanden ist, sodass Energie nur für den jeweiligen Streckenabschnitt benötigt wird. Die Tesla-Fahrer hier kennen dieses System ja bereits.

Die Akkusysteme werden eine höhere Kapazität erfahren. Ich weiß leider nicht mehr wo ich es aufschnappte, dass Musk vor einigen Wochen von sich gab, dass es in den kommenden fünf Jahren möglich wäre auf 500Wh/kg zu kommen. Wenn jemand dazu etwas belastbares hat, nur her damit. Bosch wollte Richtung 2020/21* (durch den Zukauf von Seeo) mit der Solid State Batterie auf den Markt kommen, durch die u.a. die Ladezeiten verkürzt werden, in wie weit es dann stimmt müssen wir noch etwas abwarten. Hyundai hat aber selbst ähnliche Pläne.**

Ich bin überzeugt, dass wir bis 2030 keine Verbrenner mehr zulassen müssen, da die Auswahl an Alternativen entsprechend groß sein wird, vielleicht brauchen die Langstrecken-Schnellfahr-Fetischisten nocht einen Plug-In-Hybrid, wobei ich was das (übertrieben deutsche) Schnellfahren auch nicht sicher bin, ob das noch 13 Jahre anhalten wird, was aber eine komplett andere Diskussion wäre.

Die Frage die ich mir hierbei aber immer und immer wieder stelle ist, wenn VW, Mercedes, Audi und Co. ankündigen, 2025 10-30% eAutos zu produzieren, wo dann in den übrigen 5 Jahren dann die restlichen 70-90% herkommen sollen. Deswegen braucht es einen klaren Zeitplan und eine harte Grenze. Denn wenn wir -so das Argument- dies erst im Jahr 2025 entscheiden und nicht heute, weil es zeitlich noch zu weit weg liegt, dann verschenken wir wertvolle Zeit durch pures Aufschieben; heute ist der Ausdruck Prokrastination so modern dafür.

Jeder der im Management und der Planung tätig ist, weiß, dass Ziele definiert, erreichbar und in kleinen Etappen lösbar sein müssen, ansonsten steht man am Ende vor einem unbewältigbaren, großen Berg an Aufgaben, an denen man scheitert.

Quellen:
*https://electrek.co/2015/10/12/bosch-is-investing-in-energy-density-going-for-50-kwh-battery-packs-weighing-only-190-kg/
**https://electrek.co/2017/04/06/hyundai-solid-state-batteries-electric-vehicles/

Alles Gute!
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von egn » 3. Jul 2017, 22:49

Ich habe bei mir ganz bewusst einen 22 kW Lader installiert, weil ich eben nicht extra zum nächsten Supercharger fahren will, wenn ich nach der Heimkehr von der Arbeit noch spontan eine länger Strecke fahren will.

Da stecke ich dann halt dann Zuhause für eine Stunde ein und lade 100 km. Eine öffentliche Ladesäule ist keine Alternative wenn sie nicht im 100 m Umkreis steht, und vor allem gerade frei ist.

Schnelle Lader auch Zuhause reduzieren den Bedarf für große Akkus und kompensieren so etwas den Nachteil des insgesamt langsameren Tankens gegenüber Verbrennern. Auch das erhöht die Akzeptanz von E-Autos.

Als Nebeneffekt kommt noch dazu dass sich durch schnelleres Laden unmittelbarer vor der Nutzung möglicherweise die kalendarische Alterung reduziert.

Und wie Du schon schreibst gibt es unterschiedliche Anforderungen und Lebensweisen. Ich hätte jedenfalls kein Elektroauto wenn ich Zuhause nur mit 3,7 kW laden oder überhaupt nicht laden könnte, so einfach ist das.
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von egn » 3. Jul 2017, 23:03

Adastramos hat geschrieben:Was Ladeinfrastruktur betrifft, muss man auch beachten wo welche Ladesäule steht. Auf der Arbeitsstelle und Daheim braucht man im Grunde keine Schnellladesäule, dort steht das private Fahrzeug ohnehin mehrere Stunden.


Wie kommst Du auf die Idee?

Ich komme oft mit deutlich weniger als 100 km Restreichweite nach Hause und wenn wir Abends noch wo hinfahren dann ist der 22 kW Lader sehr hilfreich.

Und was nützt es wenn das Auto mehrere h an der Arbeitsstelle steht, aber kein Ladeanschluss vorhanden ist?

Und Wartezeiten selbst an sehr begehrten Tankstellen sind nicht mit den heutigen Ladezeiten bei Elektroautos vergleichbar. Ich kann mich bei den unzähligen Tankvorgängen die ich bei mehr als 1 Mio gefahrenen km nicht erinnern jemals länger als 15 Minuten auf das Tanken gewartet zu haben.
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Re: Kretschmann und die eMobilität

von Adastramos » 3. Jul 2017, 23:14

Das bezog sich nicht darauf, dass man keine Lademöglichkeit daheim oder auf der Arbeit braucht, sondern keine Schnellladung. Ich muss den Akku nicht in 20-30min. vollprügeln, wenn das Fahrzeug sechs bis acht Stunden dasteht.

Das Beispiel der übervollen Tankstellen soll eines verdeutlichen, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot klein ist, oder lange braucht, entstehen Wartezeiten, diese kann man nur durch ein ausgedehntes Angebot decken. Wenn wir heute an vielen Raststätten nur zwei-drei Schnelllader haben, mit je einem Stecker CCS, Typ 2 AC und Chademo, die sich dann auch noch gegenseitig die Leistung bei parallelem Laden klauen und nicht ausbauen, haben wir eben den "volle-Tankstelle-Effekt".

Alles Gute!
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